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Fanfiction: Miss [Leserin] im Kuroland


 
 
 
 
 
 

Disclaimer: Die Charaktere, außer „Miss“ versteht sich, gehören Yana Toboso. Wir schreiben nur zum Spaß und verdienen kein Geld damit.

Danke an: Dust, meiner Lektorin :3 ~♥ und Yana Toboso. Ohne dich hätten wir jetzt ein Leben…

Inhalt: Du, als Leserin, spielst in dieser Geschichte die Hauptrolle, daher hast du auch keinen bestimmten Namen und bist einfach die “Miss”. Auf seltsame Art und Weise landest du im “Kuroland” und wirst sofort von Sebastian und Ciel als “verrückt” erklärt. Jede Menge neue Begegnungen mit den verschiedenen Charakteren aus Kuroshitsuji erwarten dich. Und das besondere: Du entscheidest wie die Geschichte weitergeht! Trete ein!

Thema: Humor, Romantik, Action

© by Cheshire

 
 

Prolog

Prolog

»Sebastian, das ist ein Befehl! Schaff ihn mir endlich aus den Au…«
»Gyaaaahhhhhhh!!!«, schrie ich, als ich dem Boden immer näher kam.
»Was zum…!«, hörte ich noch eine Stimme sagen und landete mit voller Wucht auf etwas…mehr oder weniger weichem, so dass mein Aufprall mit dem Boden noch abgefangen wurde.
»Soma-sama!!!«, schrie plötzlich eine Stimme hinter mir. Verwirrt machte ich die Augen, die ich die ganze Zeit über geschlossen hatte, auf und sah direkt in das Gesicht des indischen Prinzen.
Er starrte mich ebenfalls verwirrt an, und wir verweilten einige Sekunden lang in dieser absoluten Verwirrung, bis mich plötzlich jemand von hinten unsanft anpackte und mich wegschubste.
»Soma-sama! Geht es Ihnen gut?!«, fragte die Stimme, die auch vorhin so laut war.
Mehrmals reibte ich mir schnell die Augen und starrte die beiden Personen an. Sie waren es wirklich! Es waren Soma und Agni! Mein Unterkiefer klappte bis zum Boden herunter, als ich mich nichtsahnend nur kurz umgedreht hatte und Sebastian zu Gesicht bekam, der mich von oben herab verwundert musterte. Gleich neben ihm stand Ciel, der mich ebenfalls ganz perplex musterte. Nun standen alle vier um mich herum, Agni Soma so in den Armen haltend, als ob er gleich in mehrere Einzelteile zerbrechen würde, und Sebastian mit Ciel.
Ich schluckte, wie bin ich hierher gekommen?
»Äh… Sebastian!«, rief ich und zeigte mit dem Finger auf ihn.
»…«, stumm starrte er mich nur an.
Was machte ich da?
»Wer sind Sie?«, fragte mich nun Ciel.
Diese Frage schien mein Gehirn nicht verarbeiten zu können, anstatt Ciel nun zu antworten, sagte ich einfach nur:
»Sebastian ist ein Teufel!«
Ach du Scheiße!

Kapitel 1

Kapitel 1

Alles fing an einem Montag an. Montage sind in der Regel nicht gerade sehr beliebt. Es ist der Anfang einer neuen Woche, man muss beispielsweise wieder zur Schule oder zur Arbeit, oder sagen wir einfach, ein weiterer Tag, wo man in der Alltagsroutine gefangen ist. Dieser Montag jedoch, änderte alles. Ich lag gerade gemütlich auf meinem Bett und las den gerade neu erschienenen Black Butler Band.
»So…«, sagte ich etwas müde vom Lesen und legte den Band auf meinen Nachttisch. Dann stand ich auf und streckte genüsslich meine etwas steif gewordenen Glieder. Gleich darauf lief ich auch schon zu meinem Schreibtisch und schaltete meinen PC an. Es dauerte etwas, bis er hochgefahren war, doch nur wenig später war ich schon mit dem Internet verbunden und gab im Browser sofort: http://www.black-gate.taess.net ein. Es dauerte nicht lange und schon war ich mit der Fanseite, die von Kuroshitsuji handelt, verbunden.
Gerade wollte ich nachschauen, was es so neues gibt, doch da tauchte plötzlich eine Art schwarzes Tor vor mir auf. Ich musterte das plötzlich erschienene Symbol und klickte es einmal an.
Zuerst passierte nichts. Doch schließlich öffnete sich das Tor virtuell. Neugierig starrte ich auf den Bildschirm und ich erwartete, dass etwas passierte. Es dauerte auch nicht lange und das Tor wurde größer und größer. Verwirrt, aber auch neugierig, runzelte ich die Stirn. Wer hätte das gedacht? Das Tor wuchs nun aus meinem Bildschirm heraus! Erschrocken fiel ich von meinem Stuhl herunter und krabbelte ängstlich nach hinten.
Was war denn das?! Schnell krabbelte ich bis an die Wand und starrte das Tor an, das nun scheinbar aufgehört hatte zu wachsen und fast bis zu meiner Zimmerdecke hoch ragte. Es stand offen und schwebte nun einfach vor mir, jedoch konnte ich darin nichts als gähnende Leere entdecken.
Ich wusste nicht, was ich machen sollte, sollte ich herunter rennen und meine Eltern rufen? Die Polizei? Die Feuerwehr? Ich hatte wirklich keine Ahnung, aber irgendwie zog es mich an. Ich war ja doch etwas neugierig, zu neugierig und zwang mich nun aufzustehen. Langsam lief ich dem Tor entgegen und blieb genau vor dessen Schwelle stehen. Langam strich ich nun mit einer Hand über den verzierten Rahmen. Es war genau wie sein Inneres: pechschwarz. Was war das nur?
Ich gab mir einen Ruck und streckte meine Hand in das Innere aus. Das allein schien jedoch ausgereicht zu haben, denn etwas zog mich jetzt mit unglaublicher Kraft zu sich. Letztendlich konnte ich dem Sog kaum standhalten und wurde in das Tor hineingezogen…
 
Ich spürte nur, dass ich falle. Einfach nur immer tiefer und tiefer fiel. Um mich herum war alles schwarz. Nichts konnte ich erkennen, es war so dunkel, dass ich meine eigene Hand nicht sehen konnte, selbst wenn ich es gewollt hätte, aber daran konnte ich noch nicht einmal denken, ich verspürte nur dieses Gefühl des Fallens und wusste nicht wie das nun ausgehen würde.
Angst breitete sich in meinem Inneren aus und ich wollte schreien, doch vor Schock schaffte ich noch nicht einmal das, aber dann sah ich unter mir endlich Licht…
 
Ja, so bin ich hier gelandet. Und nun befinde ich mich zwischen den Personen, von denen ich dachte, dass ich ihnen nur in meinen Träumen begegnen würde.
Leider war ich auch zu aufgeregt gewesen und hatte mich sogleich verplappert.
Ciel sah mich nun verwundert an und blickte dann zu Sebastian. Der sah ebenfalls, und das sieht man selten, verwirrt aus.
»Was…«, fing Soma an.
»Verrückt«, rief Sebastian schnell. »Diese Person ist definitiv verrückt! Wir sollten sie in Gewahrsam nehmen und sie in die Anstalt bringen!«, sagte er ganz selbstverständlich, packte mich am Arm und zog mich hoch.
»J…Ja natürlich.«, sagte Ciel schnell.
Verwirrt musterten Soma und Agni die beiden, zuckten dann jedoch mit den Achseln und nahmen scheinbar auch an, dass ich verrückt war.
»Ve…verrückt? Ich bin nicht verrückt!«, rief ich, doch hielt sofort wieder meine Klappe, als mir Sebastian einen Blick “schenkte“, den ich hier nicht genauer beschreiben möchte.
»Bring sie in die Kutsche Sebastian, wir sollten Sie am besten sofort einweisen lassen.«, sagte Ciel und stieg bereits in die Kutsche ein.
»Und ihr Beiden…«, sagte Ciel an Soma und Agni gewandt. »…solltet euch wieder in die Stadtvilla zurückziehen oder besser gleich in euer Land zurückkehren. Ich habe doch gesagt, dass ich keine Zeit habe!«
»Ich habe nur gedacht, dass ihr mich vermisst habt…«, entgegnete Soma leicht geknickt.
»Hmpf!«, murrte Ciel und war bereits in der Kutsche.
»Soma-sama! Keine Sorge, ich werde Euch sofort verarzten. Machen wir uns auf den Weg.«, versuchte Agni seinen Herrn zu trösten und bog zusammen mit ihm in der nächsten Gasse ab.
Da mir nichts anderes übrig blieb, und da Sebastians Griff mehr als aufdringlich war, folgte ich ihm zu der Kutsche und stieg ebenfalls ein. Er schloss die Tür hinter mir und ich saß genau vor Ciel Phantomhive.
Er starrte mich zuerst nur an und schien mich zu mustern, sagte jedoch nichts. Ich sah ihn ebenfalls an und konnte es einfach nicht glauben. Wie bin ich hier nur gelandet? Wie kann ich hier sein? Ist das alles denn real?
Als die Kutsche sich in Bewegung setzte, und wir eine Weile fuhren, sagte er noch immer nichts.
Verwundert starrte ich ihn an und gab mir dann doch einen Ruck.
»Wo bringen Sie mich hin?«, fragte ich etwas zögerlich.
»In mein Anwesen…« sagte er nur und starrte aus dem Fenster.
»Und was wollen Sie von mir?«, hakte ich nach. Das würde mich nun wirklich brennend interessieren.
»Ich denke, ich habe einige Fragen an Sie…«, sagte er nur in seinem typischen Tonfall.
Danach verlief die Kutschfahrt bis zum Anwesen…relativ ruhig.
 
Dort angekommen half mir Sebastian aus der Kutsche, was ich für etwas überflüssig hielt, aber ich nahm seine Hand natürlich gerne entgegen.
Nachdem ich ausgestiegen war, stieg Ciel ebenfalls aus und lief einfach an mir vorbei. Scheinbar hatten sich diese beiden telepathisch abgesprochen, denn Sebastian machte mir eine Geste, ihm zu folgen.
Ich nickte und folgte ihm ganz brav. Er führte mich nicht in das Anwesen hinein, in dem Ciel gerade verschwunden war, sondern außenrum in den prachtvollen Garten, um den sich augenscheinlich eher Sebastian, anstatt ein gewisser Gärtner gekümmert hat.
Die Sonne schien und ließ alles in einem wunderschönen Licht erstrahlen. Ich bemerkte die vielen Rosen und andere angepflanzte Blumen.
Mit einer Handgeste deutete Sebastian auf einen kleinen Tisch mit zwei Stühlen. Langsam trat ich vor und setzte mich hin.
»Warten Sie bitte einen Moment, mein Herr wird bald für Sie da sein.«, sagte er und machte eine leichte Verbeugung. Scheinbar schien er meine erst vor kurzem über ihn gemachte Aussage nicht hinterfragen zu wollen.
Ich starrte ihn zuerst eine Weile lang an, weiterhin ungläubig, dass er nun wirklich vor mir stand. Er legte den Kopf leicht schief, wie er es immer machte, und lächelte mich an.
Ich errötete leicht und wandte den Blick von ihm sofort ab.
»Gut, ich wäre Ihnen wirklich verbunden, wenn Sie auf das hören, was ich ihnen sage, ansonsten müssten wir hier andere… sagen wir, Methoden anwenden.«, sagte er und lächelte mich noch immer an.
Ich sagte nichts. Das wurde mir hier langsam doch etwas riskant… Lieber abwarten, redete ich mir immer wieder ein.
Wenig später tauchte wirklich Ciel auf und nahm vor mir Platz.
 
Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet mir so etwas passieren würde! Da geht man nichts ahnend an den PC… Ganz unschuldig… Und plötzlich landet man in einer ganz anderen Welt! Und in was für einer Welt! Das, und noch mehr Gedanken flogen mir durch den Kopf, als ich einfach nur dasaß und Sebastian dabei beobachtete, wie er die verblühten Blütenblätter der weißen Rosen beschnitt.
Er bemerkte meinen Blick und sah lächelnd zu mir herüber. Ich lächelte etwas zaghaft zurück und nahm einen Schluck Tee. Vor mir saß niemand anderes als Ciel Phantomhive höchstpersönlich! Was war ich aufgeregt…
»Nun…«, fing Ciel an, nahm einen Schluck aus seiner Tasse und stellte es auf den Tisch, der sich vor uns befand, ab.
»Ja?«, fragte ich neugierig und konnte meinen Blick nicht mehr von ihm abwenden.
»Sie wussten über die wahre… Natur meines Butlers Bescheid… Woher wussten Sie das?«, fragte er in einem ganz fachmännischen Ton und schien mich zu mustern.
Nanu? Davor war er aber… Nun sagen wir… halb ausgerastet, als ich das so laut aussprach. Jetzt im Nachhinein, sehe ich ein, dass es ein Fehler war… Aber… Es rutschte mir nun mal einfach raus!
Wie auch immer… Jetzt musste ich mir eine gute Ausrede einfallen lassen…

Kapitel 2

Kapitel 2

»Nun?«, fragte mich Ciel und musterte mich misstrauisch, während er in einer Hand noch seine Tasse hielt.
»Ich…«, entgegnete ich und fing bereits an zu stottern. Verdammt!
Selbst Sebastian schien seine Arbeit etwas zu vernachlässigen und blickte mehrmals von der Seite zu uns herüber.
»Ich… habe die Gabe jedes Wesen zu erkennen… egal welche Form es auch angenommen hat!«, sagte ich aus dem Stegreif heraus.
Überrascht spuckte der junge Earl seinen Tee beinahe wieder aus, den er gerade eben noch getrunken hatte. Schnell riss er sich zusammen und schluckte.
»Sie können… jedes Wesen erkennen? Und…woher wussten Sie den Namen meines Butlers?«, fragte er und wurde wieder misstrauisch.
»Ähm… ich ging einfach davon aus, dass er Sebastian heißen muss. Sch… Schließlich war ich auf der Suche nach Ihnen, verehrter Earl!«, sagte ich wieder ganz spontan. Ich hoffte doch sehr, er würde meine gerade improvisierte Show abkaufen…
»Aha…«, sagte er und stellte seine Tasse wieder auf den Tisch ab.
»Und warum waren Sie genau nach mir auf der Suche?«, fragte er und beugte sich leicht nach vorne, als ob er mir drohen wollte.
»Ah.. haha, ah.. nun ja.. wissen Sie, das ist eine lustige Geschichte…«, sagte ich und versuchte zu lächeln, doch viel mehr schnitt ich eine seltsame Grimasse.
»SEBASTIAAAAAAAAAAAAAAAAN!!«, schrien plötzlich mehrere Stimmen auf einmal.
Durch den Eingang des Gartens kamen plötzlich die drei tollpatschigen Bediensteten der Villa hereingestürmt und fielen allesamt zu Boden, als sie vor Sebastian halt machten, der scheinbar nicht vorgehabt hatte ihnen auszuweichen.
»Argh… diese drei…«, murmelte Ciel verärgert und hielt sich die Hand gegen die Stirn.
Ich fragte mich, ob es in seinen so jungen Jahren denn gesund war, sich so viel Stress zu machen, nicht mehr lange und er würde sicher Falten bekommen…
»Was ist denn nun schon wieder?«, fragte Sebastian desinteressiert.
»Lady Elizabeth… die Verlobte des jungen Herrn ist soeben eingetroffen!«, antwortete Finny hastig.
»Ja, ja, genau! Sie hat wie verrückt das ganze Haus nach dem jungen Herrn abgesucht.«, fügte Maylene hinzu.
»Und sie hatte schon wieder diese Klamotten dabei! Schau uns doch nur an, verdammt!«, brüllte Bard.
Und tatsächlich. Es war den dreien wahrlich anzusehen, dass sich Elizabeth hier irgendwo aufhalten musste. Genau wie beim letzten Mal hatte sie die drei… sagen wir mal “hübsch“ gemacht.
»Wa-… Lizzy ist hier?«, fragte Ciel und ich hatte das Gefühl, dass er einem Nervenzusammenbruch nahe war.
»Ich werde sie sofort aufsuchen und nach draußen begleiten…«, sagte Sebastian noch, wurde aber sogleich von einem lauten »Ciiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeeeeeeel!! ♥«, unterbrochen.
Durch den Eingang des Gartens kam nun auch Elizabeth angerannt und stürzte sich sofort auf Ciel. Dieser ließ einen erstickten Schrei von sich hören und landete zusammen mit der jungen Dame in den Armen auf dem Boden.
»Lizzy!«, rief Ciel wütend und versuchte aufzustehen, doch Lizzy hatte ihn fest im Griff und schien ihn erst einmal durchzuknuddeln. Irgendwie war das süß und ich musste grinsen. Langsam bekam auch ich das Bedürfnis Ciel durchzuknuddeln.
»Ich habe dich ja so vermisst!«, sagte sie überglücklich und knuddelte ihn so durch, dass seine gesamte Kleidung am Ende sicher total zerknittert sein würde.
»Lizzy! Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du dein Kommen ankündigen sollst?!«, sagte er erschöpft.
»Ich darf doch wohl meinen Verlobten besuchen wann ich will!«, sagte sie und rümpfte die Nase. »Dafür muss ich mich nicht bei dir melden. Außerdem… schau dir doch nur mal dein Gesicht an! ♥ Wie überrascht du bist mich hier zu sehen!«, kicherte sie, stand wieder auf und lächelte glückselig vor sich hin.
»Willkommen Lady Elizabeth.«, sagte Sebastian und trat zu ihr vor.
»Oh, Hallo Sebastian ~«, sagte Lizzy und lächelte ihn freundlich an.
»Auch wenn es für Sie, als die Verlobte des jungen Herrn, wirklich nicht nötig ist, Ihr Kommen bei uns anzukündigen, wäre ich… wären wir Ihnen sehr verbunden, wenn Sie das dennoch tun würden. Es würde uns nämlich erleichtern, alles zu Ihrer vollsten Zufriedenheit vorzubereiten.«, sagte er mit einem Lächeln.
Lizzy zögerte kurz, nickte dann jedoch. »Wenn mein Besuch euch wirklich solche Umstände bereitet…«, im Hintergrund nickten die drei geschändeten Bediensteten hastig.
Scheinbar bemerkte Lizzy, dass ich sie die ganze Zeit über anstarrte. Schnell drehte sie sich zu mir um und sah mich neugierig an.
»Ciel?«, fragte sie, ohne den Blick von mir abzuwenden.
»Wer ist das?«
»Sie ist ein Gast.«, antwortete Ciel, stand auf und klopfte sich den Staub von seiner Hose ab.
»Hm…«, sie sah mich weiterhin sehr neugierig an, zu neugierig.
»Wie wäre es mit einer kleinen Feier?!«, rief sie plötzlich.
»Eine Feier…? Was… nein!«, lehnte Ciel sofort ab.
»Nur eine kleine Feier! Bitteeeeeeeeeeeeeee!«, jammerte Lizzy und bekam langsam Tränen in den Augen.
»Da.. aber..«, ratlos, durch die Tränen seiner Verlobten und deren bittenden Blick, seufzte er.
Das nahm Lizzy scheinbar als ein “Ja“ auf und freute sich so riesig, dass sie sich auf mich stürzte und mich mit glänzenden Augen anschaute.
»Und wenn Sie erlauben, möchte ich Sie gerne hübsch machen!«, rief sie begeistert aus und strahlte mich so an, dass ich zuerst gar nichts erwidern konnte.
»Lizzy das reicht!«, sagte Ciel noch, doch Lizzy überhörte ihn einfach und starrte mich weiterhin an.
»Ähm, nun ja… diese Situation kommt mir bekannt vor…«, murmelte ich viel mehr. Fragend legte Lizzy den Kopf schief.
»Also mir wäre es lieber wenn ich so bleibe wie ich bin…«, sagte ich und war um ein Lächeln bemüht.
»Ach was! Hihi, nicht so bescheiden! Ich putze dich richtig heraus, ja?«, ohne auf meine Antwort zu warten packte mich das kleine Mädchen schon am Arm und zog mich in die Villa rein.
»Da geht sie dahin…«, hörte ich Bard noch murmeln und ein “Ho ho ho“ von Tanaka.
 
[nicht mehr aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]
 
Nachdem Lizzy ihr nächstes Opfer gefunden und verschleppt hatte, setzte sich Ciel wieder entnervt auf seinen Stuhl und starrte nachdenklich seinen Tee an.
»Junger Herr?«, fragte Sebastian und beugte sich lächelnd etwas nach vorne.
»Was?«, fragte Ciel genervt.
»Ich denke wir sollten für diese Feier die entsprechenden Vorbereitungen treffen, findet Ihr nicht auch?«
»Ja, natürlich. Kümmere dich darum…so kurzfristig kann man doch keine Feier organisieren… die Gäste hätten früher darüber informiert werden müssen…«, murmelte Ciel.
»Aber Ihr wisst doch, ich als Butler der Phantomhives sollte so etwas schon beherrschen.«, ein Lächeln umspielte seine Mundwinkel, als er dies sagte und sich leicht verbeugte.
Kurz starrte Ciel ihn an, drehte sich dann jedoch weg und sagte nur:
»Hmpf! Sieh zu, dass du nicht zu viele Personen einlädst… ich muss mich noch um dieses Mädchen kümmern…«, sagte er und starrte gedankenversunken vor sich hin.
»Was gedenkt Ihr mit ihr zu tun?«, fragte Sebastian und legte den Kopf etwa schief.
»Sie steht fürs Erste unter deiner Beobachtung, hast du das verstanden? Wir belassen es dabei, dass sie für eine unbestimmte Zeit unser Gast ist…«
»Wie Ihr wünscht.«, grinste Sebastian und wandte sich wieder an das Personal, das wieder einmal unbrauchbar in der Gegend herum stand.
»Hey! Was macht ihr da? Habt ihr nichts zu tun?«, etwas genervt über die Trägheit der Angestellten seufzte der Butler.
»Natürlich haben wir was zu tun! Wir haben sogar ‘ne Menge zu tun!«, rief Bard etwas zu selbstbewusst und bekam sogleich einen Schlag von Sebastian auf den Kopf verpasst.
»Macht euch sofort an die Arbeit. Ich muss mich höchstpersönlich um die Gästeliste kümmern. Ich möchte, wenn ich wieder da bin, alles fertig vorfinden, ist das klar?«, er verlieh dabei seiner Stimme einen dunklen Ton, so dass die drei nur ängstlich nickten und sich sofort an die Arbeit machten.
 
[wieder aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]
 
Nachdem mich Lizzy in ein Zimmer geschleift hatte, die Tür abgeschlossen und einen Schrank voller Kleider (wieso waren da so viele bunte Kleider?!) aufgerissen hatte, durchwühlte sie ihn zuerst und suchte scheinbar nach etwas passendem für mich.
Etwas überrumpelt von allem setzte ich mich an den Rand des großen Bettes. Ich vermutete, dass das Zimmer früher jemand bewohnte. Denn die vielen Regale im Zimmer besaßen neben den unzähligen Büchern zudem einige Erinnerungsstücke.
Nachdem ich meinen Blick durch das Zimmer gleiten ließ, stockte ich plötzlich als Lizzy wie aus dem Nichts vor mir stand.
»Ich habe hier etwas, das wird dir sicher perfekt stehen! ♥«, quietschte sie vergnügt und hielt mir ein seidenes dunkelblaues Kleid hin. Es besaß einen runden, mit schwarzer Spitze verzierten, Ausschnitt und weite Ärmel, die aus schwarzer Spitze bestanden. Unter der Brust war es mit einem schwarzen Band umbunden, das auf der Rückseite eine große Schleife besaß und das Ende des Kleides zierten eine Reihe schwarzer Rüschchen, das in großen Abständen mit kleinen dunkelblauen Rosen verziert war. Dazu holte sie noch schwarze Spitzenhandschuhe und eine schwarze Spitzenhaube.
Ich wollte schon verneinen, doch Lizzy drängte mir das Kleid so sehr auf, dass ich nicht anders konnte als es anzunehmen und sie dadurch zufrieden lächeln zu sehen.
Seufzend betrachtete ich es noch einmal und fragte mich, ob es mir denn stehen würde. Ich hatte zuvor noch nie ein so… prunkvolles Kleid getragen. Ich musste mir jedoch eingestehen, dass es wunderschön war.
Langsam stand ich auf und machte mich daran mich meiner Kleidung zu entledigen. Plötzlich stand Lizzy auf:
»Ich sollte Maylene holen! Sie soll uns bei deinen Haaren helfen! ♥«, sagte sie fröhlich und war auch schon aus dem Zimmer verschwunden.
Achselzuckend zog ich mir mein Oberteil aus und entledigte mich gleich danach meiner Hose. Nun stand ich nur noch in Unterwäsche da. Ich nahm das Korsett, das neben dem Kleid lag, in die Hand und betrachtete es eine Weile lang. Wie sollte ich mich in so etwas nur rein quetschen können? Das fragte ich mich, während ich es in meiner Hand hin und her drehte.
Plötzlich und ohne Vorwarnung platzte jemand in den Raum. In der Annahme, dass es sich um Lizzy und Maylene handelte, drehte ich mich um und erblickte zu meiner Überraschung Prinz Soma und seinen Butler Agni.
»Ciel! Ich wollte dir nur für deine Einladung da-…oh…?«, Soma stockte, als er mich erblickte.
»Prinz Soma? Was haben…«, auch Agni stockte, als er mich sah.
»Hyahhhhh!! Prinz Soma! Bedecken Sie Ihre Augen!«, mit einem Schlag schlug Agni seine Hand gegen Somas Augen und hielt sie so fest “ bedeckt“, dass Soma das Gleichgewicht verlor, aus irgendeinem, mir unerklärlichen Grund, nach vorne stolperte und mit dem Gesicht direkt auf meiner Brust landete.
»Mhh!!«, hörte man ihn nur mit hochrotem Kopf sagen, doch da schubste ich ihn schon kreischend von mir weg.
Geschickt fing Agni Soma beim “nach hinten stolpern“ auf und schlug gleich darauf wieder wie antrainiert seine Hand gegen Somas Augen.
 
Ich war noch immer wie versteinert und versuchte, mehr oder weniger, hilflos mit den Armen meine Brust zu bedecken.
»Ah… eh… es tut mir Leid!«, stotterte Soma und versuchte sich wieder etwas aufzurichten.
»Ich dachte ich würde hier Ciel finden… äh… Agni… die… Tür…«, sofort drehte sich Agni zusammen mit seinem Herrn um und lief zusammen mit ihm gegen die Wand.
»Ah! Tut mir Leid Soma-sama, doch ich hielt meine Augen geschlossen… äh… warten Sie…«, er drehte sich diesmal in eine andere Richtung, knallte gegen das Bett, behielt aber noch das Gleichgewicht. Endlich löste ich mich wieder von meiner Versteinerung und bewegte mich in die Nähe des Fensters, wo sich daneben ein langer dunkelblauer Vorhang befand und bedeckte mich damit. Kurz beobachtete ich die beiden, wie sie immer wieder gegen Wände liefen und musste mir ein Kichern verkneifen. Ich hörte Agni etwas von „Es tut mir Leid“, „Die Tür befindet sich genau vor uns“ und „Soma-sama, eure Augen wurden entjungfert!“ murmeln.
»Ähm… ihr könnt eure Augen ruhig öffnen.«, sagte ich und umwickelte den Vorhang etwas fester um mich.
Agni öffnete die Augen zuerst, sah mich mit dem Vorhang und entfernte seine Hand aus Somas Gesicht.
Leicht errötet sah auch Soma zu mir und verbeugte sich leicht.
»Es tut mir Leid, dass ich in die Räumlichkeiten einer Lady eingedrungen bin…«
»Auch mir tut diese Verwechslung Leid.«, sagte Agni und verbeugte sich ebenfalls leicht.
»Ah, äh… schon okay«, sagte ich und versuchte zu lächeln.
Die beiden lächelten mich ebenfalls an und blieben einfach an Ort und Stelle.
»Äh…«, sagte ich etwas verwirrt. Wollen die den ganzen Tag lang hier herum stehen?
»Oh… äh, natürlich!«, sagte Soma und lief sofort , zusammen mit Agni, aus dem Raum.
Im selben Moment betraten Maylene und Lizzy den Raum. Leicht verwirrt sahen sie noch Soma und Agni hinterher.
 
Nachdem man mich in das Korsett “reingequetscht“ hatte und mir das Kleid überzog, machte mir Maylene noch leichte Locken in die Haare und ließ sie leicht gewellt auf meinen unbedeckten Nacken fallen. Mein Gesicht bekam etwas Puder ab, meine Lippen und Augen hingegen bekamen etwas Farbe aufgetragen, so dass mein Gesicht dennoch natürlich wirkte.
Auch Lizzy machte ich mit Maylene zusammen “hübsch“ und ich muss zugegeben, dass es Spaß gemacht hatte. Dabei war ich nie wirklich für so etwas zu begeistern gewesen, doch diese wunderbaren Kleider, die sie hier hatten, ließen selbst mich leicht ins Schwärmen geraten und Lizzy sah in ihrem himmelblauen Kleid voller Schleifen und Spitze wirklich zuckersüß aus.
Nachdem wir fertig waren und sich Maylene bis zum Schluss gegen mich und Lizzy gewehrt hatte (wir wollten sie ebenfalls etwas herausputzen, aber sie lehnte es strikt ab), machten wir uns auf den Weg in den großen Saal.
Dort war schon alles vorbereitet und viele Gäste waren bereits eingetroffen.
Alles sah sehr prunkvoll aus und strahlte in einem ganz anderen Licht. Ich sah mich in der Menge um und entdeckte gleich einige bekannte Gesichter. Sogar den Undertaker sah ich in einer ganz anderen Aufmachung grinsend in einer Ecke stehen. Als ich meinen Blick weiter wandern ließ, entdeckte ich Lau zusammen mit Ran-Mao, etwas weiter stand Ciel mit Sebastian und weiter links entdeckte ich…Ronald?
»Ist das nicht wunderbar?! ♥«, fragte mich Lizzy von der Seite und hakte sich bei mir ein.
»Oh, äh… ja… ich bin überwältigt.«, antwortete ich und wendete meinen Blick von den Personen wieder ab.
Lächelnd ließ Lizzy mich wieder los und lief direkt auf Ciel zu, der das scheinbar schon kommen sah und wohl mit den Füßen bereits versuchte das Gleichgewicht zu bewahren, wenn Lizzy sich wieder auf ihn stürzen sollte.
Etwas unruhig sah ich mich nochmals um und fragte mich, ob ich Lizzy folgen sollte – oder sollte ich mich mit einem der Gäste unterhalten?…

Kapitel 3

Kapitel 3

Nach langem Überlegen entschied ich mich zum Undertaker zu gehen.
Ich fand seinen Charakter schon immer sehr interessant und auf eine gewisse Art und Weise amüsant. Grinsend stand er, abseits von der Menge, an der Wand gelehnt und hielt etwas zu trinken in der Hand.
Seine langen Finger, mit den langen schwarzen Fingernägeln, schlossen sich um das Glas, das er in der Hand hielt. Er schien grinsend die Menge zu beobachten.
Etwas unsicher, ob das die richtige Entscheidung war, näherte ich mich ihm dennoch und stieß kurz aus Versehen mit einem jungen Mann zusammen, der mit entgegen lief.
Es handelte sich um Finny, der ein Tablett in der Hand gehalten hatte, das ihm nun scheppernd herunterfiel.
Alle drehten sich bei dem auffällig lauten Geräusch zu uns beiden um.
»Wahh! Ah, tu.. tut mir Leid!«, rief Finny aufgeregt und hob mit hochrotem Kopf sofort alle Scherben der zersplitterten Gläser auf.
»Nein nein, mir tut es Leid.«, sagte ich sofort, ging auf die Knie und half Finny dabei, die Scherben aufzusammeln. Das war wirklich peinlich. Die Leute starrten uns noch immer an. Am liebsten wäre ich sofort im Erdboden versunken.
Währenddessen hörte ich Geflüster und Gemurmel. So was wie: ,,Wie ungeschickt!“, ,,Wie kann sie sich so herabsetzen? Statt ihm zu helfen, sollte sie ihn bestrafen!“, ,,Handelt es sich hierbei überhaupt um eine Persönlichkeit? Ich habe sie noch nie zuvor gesehen.“
Ich errötete und half Finny hastig weiter, bis mich plötzlich eine starke Hand umfasste und mir hochhalf. Es war Sebastian, der mir wieder ein Lächeln schenkte.
»Überlassen Sie das hier bitte mir.«, sagte er lächelnd und hob die Scherben in Sekundenschnelle auf. Nun befand sich auf Finnys Tablett ein kleiner Berg voller Scherben.
»D.. Danke..«, stotterte ich.
»Dafür müssen Sie sich nicht bedanken.«, sagte er nur, klopfte sich die Handschuhe ab und lief zusammen mit Finny davon.
Die Menge, die sich zuvor noch zu mir und Finny umgedreht und getuschelt hatte, war scheinbar nicht mehr an uns interessiert, da es nichts mehr gab, worüber sie sich lustig machen konnten und so schienen sie wieder über Geschäftliches oder was auch immer zu reden.
Ich seufzte und sah wieder dort hin, wohin ich eigentlich wollte.
Und zwar zum Undertaker!
Als ich wieder in seine Richtung blickte, bemerkte ich plötzlich, dass er ebenfalls in meine Richtung starrte und mich angrinste.
Etwas unwohl zumute, lief ich dennoch auf ihn zu.
Als ich schließlich vor ihm stand, versuchte ich zu lächeln. Er lächelte selbstverständlich breit zurück.
»Da haben Sie aber eine wirklich tolle Vorstellung gegeben.«, sagte er grinsend.
»Ähm… es war viel mehr… meine Unachtsamkeit.«, antwortete ich verlegen.
»Ah… so?«, er grinste mich weiterhin an.
Verlegen trat ich von einem Fuß auf den anderen. Wieso habe ich mich noch gleich dazu entschieden auf ihn zuzugehen?
»Sie scheinen nicht von hier zu sein, nicht wahr?«, fragte er grinsend, wand sich von mir wieder ab und schien mit seinem Blick über die Menge hinwegzusehen.
»Äh… nein, das bin ich nicht..«, antwortete ich noch immer verlegen.
»Um genau zu sein, wollte ich schon immer mal nach England… äh… es ist ein wirklich schönes Land…«, plapperte ich darauf los und zuckte mit den Mundwinkeln, was ein verzweifelter Versuch war zu lächeln.
»Hum… ich meinte viel mehr…«, grinsend legte er das Glas an seine Lippen und nahm sich einen Schluck, bevor er seinen Satz beendete. Ich bemerkte, dass die Flüssigkeit durchsichtig war. Trank er denn keinen Wein?
»…dass Sie nicht von dieser Welt sind.«
»Wa…«, erschrocken über diese plötzliche Aussage, trat ich einige Schritte zurück.
Nun wand er sein Gesicht, welches von seinen Haaren bedeckt wurde, wieder zu mir und grinste mich nur an.
»Ich… ich weiß nicht, wovon Sie da reden… Ähm… Sie… belieben zu scherzen, hehe…«, ich machte komische Winkbewegungen mit meiner Hand, zitterte jedoch innerlich. War er gefährlich?
Er grinste weiterhin, sah aber wieder nach vorne, scheinbar über die Menge hinweg.
»Durch Ihr Erscheinen bringen Sie das Gefüge von Raum und Zeit dieser Welt völlig durcheinander… sehen Sie den jungen Mann da vorne?«, kichernd zeigte er auf Ronald, der sich einer Gruppe junger Mädchen angeschlossen hatte und scheinbar irgendwelche Sprüche riss. Die Mädchen lachten und lächelten, doch ihre Blicke schienen gebannt den Bewegungen seiner Lippen zu folgen.
»Was… Ronald? Was ist mit ihm?«, fragte ich, ohne darauf zu achten, was ich da sagte.
»Oh? Sie kennen ihn bereits? Ronald also… hihi, seinen Namen habe ich nicht gekannt…«, grinsend, aber auch interessiert, so dass es mich beunruhigte, musterte er mich.
»Ähm… ja…«, sagte ich etwas stockend und errötete.
»Nun ja… dieser junge Shinigami… ich vermute, das wussten Sie auch bereits.«, grinsend sah er mich an und ich nickte verlegen.
»…dieser Shinigami ist nicht ohne Grund hier… hehe. Oh nein, er hat ganz sicher noch nicht einmal eine Einladung des jungen Earls empfangen, hihi.«, kichernd legte Undertaker einen Finger an seine Lippen.
»Oh nein… er ist einzig und allein wegen Ihnen hier.«, grinsend wartete er auf meine Reaktion ab, die erschreckend spät kam.
»Wa… waas? Wieso denn das?«, verwirrter als zuvor, starrte ich den zutiefst belustigten Bestatter an.
»Ich habe Ihnen bereits erklärt, dass Ihre Existenz in dieser Welt, welche nicht Ihre ist, erhebliche Veränderungen von Raum und Zeit fordert… das gefällt den Shinigamis gar nicht…«, seine Stimme bekam einen tieferen Tonfall und er sah mich nun ernster an.
»Aber… aber ich kann doch nichts dafür!«, platzte es aus mir heraus.
»Ich bin einfach hier gelandet und… hatte ja auch gar nicht vor, Raum und Zeit… oder wie auch immer… jedenfalls tu ich das nicht mit Absicht!«, verteidigte ich mich verzweifelt.
Undertaker sagte nichts. Er sah mich einfach nur an. Still und geheimnisvoll. Es machte mich verrückt, nicht zu wissen, was in seinem Kopf vorging oder wie er mich anstarrte, da seine Augen von seinen Haaren bedeckt wurden. Die Situation war mir mehr als unangenehm, daher trat ich von einem Fuß auf den anderen.
Endlich umspielte ein Lächeln die Lippen des Bestatters und er schien mich weiterhin anzustarren.
»Interessant, wirklich interessant…«, murmelte er grinsend.
»Solch ein Fall ist mir bisher nicht untergekommen, ich habe davon gehört, aber… nun ja… Sie stehen ja als leibhaftiger Beweis vor mir…«, grinsend musterte er mich, ich schluckte nur nervös.
»Und… und was soll ich jetzt Ihrer Meinung nach tun? Was wird Ronald tun? Die Shinigamis?«, ich bekam Gänsehaut bei dem Gedanken, was sie wohl gegen mich unternehmen könnten.
»Die Shinigamis sind ganz sicher danach aus, Sie zu beseitigen, hihi.«
»Wa… was?!«, erschrocken über diese einfach daher gesagte Antwort, zog ich an Undertakers Ärmel. »Das ist doch nicht Ihr ernst oder?!«, grinsend legte Undertaker einen Finger an seine Lippen und starrte zu mir herunter. Verwirrt sah ich von ihm kurz zur Seite und bemerkte, wie uns einige Leute, die in der Nähe standen, anstarrten. Ich war wohl etwas zu laut gewesen, verdammt!
Grinsend legte Undertaker seine Hand auf meine Schulter, beugte sich zu mir herunter und flüsterte mit tiefer Stimme in mein Ohr, so dass ich seinen warmen Atem spüren konnte.
»Geben Sie auf sich acht. Es wäre zu schade, Sie frühzeitig beerdigen zu müssen, gerade wo es doch so interessant zu werden scheint…«, mit diesen Worten nahm er seine Hand wieder von meiner Schulter und lief einfach an mir vorbei.
»Ah… wa… warten Sie!«, rief ich ihm noch nach, doch er tat scheinbar so, als würde er mich nicht mehr hören. Wenn ich ihm jetzt nachlaufen würde, würden die Leute, die mich wieder anstarrten, sich wohl wieder sonst was denken…
Verwirrt ließ ich mir das Gespräch nochmal durch den Kopf gehen, doch ehe ich mich versah, stand plötzlich ein junger Mann vor mir.
Es war Ronald!
»Hallo, wie ich sehe hat Ihre Begleitung…«, er deutete mit einem Wink in Undertakers Richtung, der plötzlich verschwunden war, »…Sie einfach alleine stehen lassen? Kann ich davon ausgehen, dass Sie auf ein kleines Pläuschen mit mir zu haben sind?«, lässig lehnte sich Ronald an die Wand und starrte mich mit seinem charmanten Lächeln an.
»Äh…«, nervös sah ich mich um, doch es schien mir keiner zu Hilfe zu eilen. Wieso auch? Ich sollte mich zuerst beruhigen… Ronald konnte ja nicht wissen, dass ich… die Person war, nach der er suchte… oder etwa doch?!
»Er war nicht meine Begleitung… eher ein Bekannter… ähm…«, nervös sah ich zu Boden. Geduldig sah mich Ronald lächelnd an.
»Ähm… Sie schienen sich gerade eben mit den Damen da hinten gut zu unterhalten?«, ich deutete mit einem leichten Kopfnicken in die Richtung der besagten Damen.
»Hm… ja…. nur wurden sie mir mit der Zeit etwas langweilig.«, sagte er und starrte in die Richtung, wo die Damen scheinbar noch immer standen. Ich sah mit einem kurzen Blick zu ihnen. Lächelnd winkten sie Ronald zu, ihr nächster Blick durchfuhr mich jedoch eiskalt.
Es schien ihnen nicht zu gefallen, dass ich nun Ronalds Aufmerksamkeit auf mir hatte. Um ehrlich zu sein, bei den gegebenen Umständen, gefiel es mir auch nicht.
Ronald zuckte gelangweilt mit den Schultern und ließ seinen Kopf kurz kreisen. Dabei ließ er seine Muskeln spielen, die ich unter seinem Anzug deutlich am Nacken sehen konnte.
War das seine typische Masche? Aufjedenfall wirkte er ziemlich harmlos… ich wusste jedoch, dass dem nicht so war. Ich ermahnte mich, vorsichtig zu sein.
»Und?«, grinsend sah er wieder zu mir und holte mich so aus meinen Gedanken wieder zurück.
»Äh… ja?«, fragte ich etwas benommen. Er musste mein seltsames Verhalten einfach bemerken. Nervös strich ich mir eine Strähne aus dem Gesicht.
Doch bevor Ronald etwas sagen konnte, wurde er von Sebastian, der plötzlich neben uns stand, unterbrochen.
»Entschuldigen Sie mich, aber der junge Herr verlangt nach Ihnen.«, lächelnd neigte Sebastian den Kopf direkt vor Ronalds Gesicht und ignorierte ihn.
»Oh, äh… in Ordnung…«, sagte ich nur etwas verwirrt und lief in Richtung Tür, wo Ciel schon scheinbar auf mich wartete.
Was ich nicht sehen konnte, war der eiskalte Blick, den Sebastian und Ronald miteinander austauschten.
Angekommen, blieb ich vor Ciel stehen und wusste gar nicht so recht, was ich sagen oder tun sollte.
Mit verschränkten Armen stand er vor mir.
»Würden Sie mich kurz mit nach draußen begleiten? Ich würde unser Gespräch von neulich nämlich gerne weiterführen.«, sagte er mit einem lächelnden Gesicht, welches mir kalt über den Rücken lief. Mit flüchtigem Blicken sah ich mich um, aber Lizzy schien wohl abgelenkt zu sein und auch keiner der Bediensteten schien auf dem Weg zu mir gewesen zu sein, um mich über den Haufen zu werfen oder dergleichen.
Stumm nickte ich ihm zu und begleitete ihn und Sebastian, der nun wie aus dem Nichts lächelnd neben mir stand, nach draußen.
Stumm liefen wir um das Anwesen herum, in den Garten hinein.
Angekommen, sah ich um die nächste Hecke etwas rot aufblitzen. Es war Grell.
»Du?!«, rief Ciel überrascht.
»Was heißt hier “du“?! Frecher Bengel!Uhm…«, er ließ seinen Blick weiter gleiten und blieb bei Sebastian stehen.
»Ahhh! ♥ Sebas-chan! Eine Fügung des Schicksals, dass wir uns hier treffen!«, grinsend zwinkerte er ihm zu.
Sebastian schien vollkommen unbeeindruckt zu sein, er ließ sich jedenfalls nichts anmerken.
»Was hast du hier zu suchen?!«, fragte Ciel genervt und musterte ihn grimmig.
»Ah… richtig«, grinsend ließ er von Sebastian wieder ab und sah zu Ciel.
»Hier…«, seine Stimme bekam einen gefährlichen Unterton, »in diesem Anwesen soll sich anscheinend eine Person aufhalten, die wir Shinigamis zu beseitigen haben.«, verschwörerisch legte er einen Finger an seine Lippen und grinste uns weiterhin an.
»Mir wurde diese Aufgabe zugeteilt und ich muss schon sagen, als ich hörte, dass es hier bei den Phantomhives ist… konnte ich nicht anders…«, grinsend sah er zu Sebastian.
»Eine Person?«, fragte Ciel verwirrt.
»Ich, als Butler der Phantomhives werde dies bedauerlicherweise nicht gestatten.«, sagte Sebastian lächelnd.
»Du solltest dich nicht in die Angelegenheiten der Shinigamis einmischen, Sebas-chan.«, grinsend leckte sich Grell die Lippen und zückte aus dem Nichts seine Death Scythe–Kettensäge hervor.
»Sonst kann ich dir nicht garantieren, dass du am Ende auch ein ganzes Stück bleibst.«
Mit einem Arm schob Sebastian mich und Ciel zur Seite. Wir machten ihm ohne Widerrede Platz.
»Dann werde ich es wohl riskieren müssen.«, lächelnd zog er seine Handschuhe zurecht, lief ohne zu zögern auf Grell zu und holte mit seinem Bein aus.
Schnell duckte sich Grell darunter und wollte mit seiner Death Scythe gegen sein linkes Bein ausholen, als plötzlich Sebastian beide Beine zurückzog und nach oben sprang.
»Aber, aber, Sebas-chan! ♥ Was hast du nur? Lass dich von mir verwöhnen!«, grinsend sprang er noch oben und holte in der Luft nach dem Butler aus, dieser machte in der Luft eine Rückwärtsrolle und landete ohne Probleme wieder auf dem Boden.
»Junger Herr…«, sagte Sebastian an Ciel gewandt, ohne dabei den rothaarigen Shinigami aus den Augen zu verlieren.
»Begebt euch wieder in das Anwesen… ich werde diese Angelegenheit so schnell wie möglich erledigen.«
»Gut.«, antwortete Ciel knapp und scheinbar gar nicht in Sorge um seinen Butler.
»Kommen Sie mit.«, sagte Ciel, drehte sich um und lief wieder ins Anwesen hinein. Schnell lief ich dem jungen Earl hinterher und drehte mich besorgt wieder zu den beiden Kämpfenden um, die sich wieder aufeinander stürzten. Es sah stark danach aus, dass dieser Kampf wohl noch etwas dauern würde. Keiner würde nachgeben.

Kapitel 4

Kapitel 4

Nachdem mir einige wirre Gedanken durch den Kopf schossen, wie: Lauf weg! Das ist die Chance! Nein, renn wieder zu den beiden und werf dich zwischen sie!, entschied ich mich letztendlich doch eher für die ungefährlichste Variante und folgte Ciel wieder ins Anwesen.

Ich stellte mir bereits bildlich vor, wie ich mich zwischen die beiden warf und einfach achtlos von Grell in zwei Teile geteilt wurde. Autsch. Was habe ich nur wieder für dramatische Gedanken.
Im Anwesen angekommen und fast in Ciel hineingerannt, blieb ich stehen und folgte dem Blick des Earls. Ciel starrte niemand anderen als William T. Spears an, der etwas genervt vor uns stand und den Blick des jungen Earls erwiderte.
»Was habt ihr hier zu suchen?!«, schnauzte Ciel ihn sofort an.
»Ich und zwei weitere Kollegen wurden dazu berufen in diesem Anwesen einigen Nachforschungen nachzugehen.«, antwortete er sofort wie selbstverständlich und korrigierte sich die Brille.
»Nachforschungen? Ich würde dies viel mehr als Hausfriedensbruch bezeichnen. Gehen die Shinigamis schon so weit, dass sie nicht nur ihre eigenen Regeln, sondern auch die der Menschen brechen?«, sagte Ciel verächtlich.
»Wie bitte?!«, er korrigierte sich die Brille nun energischer. »Wir Shinigamis halten uns streng an die Regeln! Wie kommen Sie auf diese absurde Behauptung?«, hakte er nach und starrte Ciel kühl an.
Dieser erwiderte seinen Blick mit Leichtigkeit.
»Einer Ihrer Angestellten vergnügt sich gerade da draußen mit meinem Butler.«, sagte er und deutete kurz aus dem Fenster, wo man für einen kurzen Moment rote Haare aufleuchten sah.
Entrüstet korrigierte sich William wieder die Brille. Ich fragte mich, ob er sich mit diesem “korrigieren” in irgendeiner Weise beruhigte.
»Sutcliff…«, grummelte er. »Nun, dies ist mehr als ärgerlich. Jedoch nicht anders zu erwarten von einem so inkompetenten Angestellten wie ihm.«, er schlug ein Buch auf und notierte sich etwas. Ich vermutete stark, dass es sich dabei entweder um seinen Terminkalender, Tagebuch oder Death Note handeln musste. Letzteres erschien mir am wahrscheinlichsten.
»Wie auch immer, ich verlange, dass Sie sich unverzüglich von meinem Anwesen entfernen.«, sagte Ciel kühl, verschränkte die Arme und warf William einen noch verachtenderen Blick zu, als ich ihm zugetraut hätte. Er legte tatsächlich einen drauf.
»Ich kann Ihrer Bitte…« Was? Bitte? Ich würde das nicht als eine Bitte bezeichnen, sondern mehr als einen Rauswurf. »…nicht nachgehen. Wir gehen lediglich unserer Arbeit nach und werden Ihre…«, er schaute kurz hinter sich, in den großen Saal voller vergnügt tanzender Menschen, »…Veranstaltung in keinster Weise behindern. Sollte dieser Dämon uns jedoch in die Quere kommen, so sehen wir uns gezwungen, ihn aus dem Weg zu schaffen.«, sagte er im ruhigen Tonfall und korrigierte sich die Brille.
Bevor Ciel etwas erwidern konnte, kam Lizzy bereits angerannt und warf sich ihm praktisch an den Hals. Mit Müh und Not behielt Ciel noch das Gleichgewicht.
»Ciel! Wo warst du nur so lange? Ich habe dich überall gesucht! Wie kannst du nur deine Verlobte alleine stehen lassen?!«, rasselte sie alles in einem Atemzug herunter.
Ciel, der durch seine Verlobte kurz abgelenkt war, sah wieder zu der Stelle, wo William noch stand. Er war weg. Auch ich hatte sein Verschwinden nicht bemerkt und wurde zu sehr von dem bauschigen, quietschgelben Kleid von Lizzy abgelenkt.
»Verdammt…«, murmelte Ciel und seufzte.
»Ciel? Was hast du?«, fragte Lizzy nun etwas besorgt und starrte ihn mit Kulleraugen an.
»Äh… es ist nichts, Lizzy… Geh du schon mal vor, ich komme gleich nach.«, antwortete er und ließ seinen Blick weiterhin auf der Stelle haften, wo zuvor noch der Shinigami im Anzug stand.
Ich packte die Gelegenheit am Schopf, leierte schnell eine Entschuldigung herunter und zwar, dass ich mir mal schnell die Nase pudern müsse (von wegen) und bevor Ciel etwas erwidern konnte, rannte ich bereits die große Treppe hinauf zu den Zimmern.
Hier oben schien alles ruhig und wie ausgestorben zu sein. Langsam lief ich den Gang entlang und versuchte das Zimmer zu finden, in das mich zuvor Lizzy verschleppt hatte. Zu meinem Pech sah jede Tür gleich aus, daher spickte ich so leise es ging, in jeden Raum.
Alle waren leer und teilweise durch die dicken Vorhänge abgedunkelt.
Ich seufzte, das Einzige, was ich jetzt brauchte, war eine ruhige Ecke für mich, wo ich zuerst einmal meine Gedanken sammeln konnte. Es war wirklich viel zu viel auf einmal geschehen. Nicht mehr lange und ich würde einen fatalen Fehler begehen.

 
[nicht mehr aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]
 
»Hier sind Sie also, Knox«, William tauchte genau hinter Ronald auf, der sich gerade mit einigen jungen Damen unterhielt.
»Oh, hallo Senpai«, begrüßte Ronald ihn stimmungsvoll grinsend.
»Was tun Sie noch hier? Ist es nicht Ihre Aufgabe das besagte Objekt zu finden?«, grummelte William.
»Sehen Sie denn nicht, dass ich bereits unzählige “besagte Objekte” um mich herum habe?«, grinsend legte er einen Arm um das braunhaarige Mädchen neben ihm, die sofort anfing zu kichern. Die Anderen taten es ihr nach.
William korrigierte nur unbeeindruckt seine Brille.
»Knox, was ich sehe ist, dass Sie nicht arbeiten. Sollten Sie sich weiterhin während Ihrer Arbeitszeit vergnügen, sehe ich mich gezwungen, dies zu notieren und Ihrer zuständigen Stelle zu melden.«, grummelte er und zückte bereits sein Death Note hervor.
Ronald seufzte, ließ das Mädchen wieder los und entfernte sich mit William einige Schritte von ihnen.
»Keine Sorge Senpai, ich vergnüge mich nicht, ich stelle Nachforschungen an. Ich glaube bereits das besagte Objekt gefunden zu haben.«, er grinste William verschmitzt an.
Dieser war noch immer nicht überzeugt und korrigierte lediglich seine Brille.
»So? Und wo ist es, wenn man fragen darf?«
»Im Moment hat er sich leider verflüchtigt. Dieser Teufel hat sich eingemischt, bevor ich mir ganz sicher sein konnte. Doch diese Aura, die ich spürte, lässt mich schon fast ganz sicher sein. Außerdem scheint auch jemand anderes ein Auge auf ihr zu haben.«, flüsterte er William zu.
»Jemand anderes? Knox, reden Sie deutlicher!«, sagte William laut, so dass sich bereits einige nach den beiden umdrehten.
Ronald schlug sich gegen die Stirn.
»Senpai, seien Sie bitte etwas diskreter, jeder kann Sie hören…«, zischte Ronald schon fast.
Unbeeindruckt starrte William ihn nur an.
»Wie auch immer…«, murmelte William und schlug sein Death Note zu. »Ich mache mich nun auf den Weg, Knox. Ihr Kollege Sutcliff hat wieder mal nur Unsinn im Kopf. Suchen Sie ihn und sorgen Sie dafür, dass er keine Unruhe stiftet. Ich werde mich derweilen umsehen.«, mit diesen Worten schien die Unterhaltung für William bereits beendet zu sein und ohne abzuwarten, was Ronald erwidern würde, machte er auf dem Absatz kehrt und lief in die Menge hinein.
»Um Grell-senpai mache ich mir gerade die geringsten Sorgen…«, murmelte Ronald, während er William etwas besorgt hinterher sah.

 
[wieder aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]
 
Unzählige Zimmer später, fand ich zwar nicht das, was ich als meins bezeichnen würde, jedoch ein identisches, womit ich mich nun auch zufrieden gab. Ich wollte nur keinen Ärger, indem ich aus Versehen im Zimmer von Ciel oder dergleichen landete.
Das hier schien jedoch ein weiteres Gästezimmer zu sein, in dem ich mich sicher ohne Probleme aufhalten dürfte. Neben einem gewohnten Bett, Schrank, Tisch, Stuhl und einigen Habseligkeiten, war das Zimmer im Großen und Ganzen schlicht gehalten.
Das einzig Beeindruckende war wohl das Fenster, aus dem man einen wunderbaren Blick auf den Garten bekam.
Ich seufzte und setzte mich auf die Bettkante.
In so kurzer Zeit ist so viel passiert. Ich bin in der Welt von Ciel und Co. gelandet, ich weiß nicht wieso und wie ich wieder in meine eigene Welt komme und zu allem Übel sind die Shinigamis hinter mir her und möchten mich am liebsten auslöschen.
Das war wirklich zu viel für einen Tag, ich seufzte und ließ mich auf das Bett fallen und schloss die Augen.
Als ich die Augen wieder öffnete, war es draußen bereits stockfinster. Schnell schreckte ich hoch und stellte fest, dass ich eingenickt war. Ich rieb mir die Augen und versuchte erst einmal etwas in der Dunkelheit zu erkennen. Wenig später gewöhnte ich mich an die Dunkelheit und beinahe hätte ich vor Schreck aufgeschrien, als ganz still und grinsend ein rothaariger Shinigami, gegen die Tür gelehnt, auf mich herabblickte.
»Haben wir gut geschlafen?«, fragte er in einem gespielt, netten Tonfall und stieß sich von der Tür ab.
»Äh…«, brachte ich nur jämmerlicherweise vor Schock hervor und schluckte.
»Ich hätte dich ja geweckt, aber ich würde doch niemals eine Lady aus dem Schönheitsschlaf holen, den sie…«, er musterte mich von oben bis unten. »…mehr als nötig hätte… Herrje, wird die Farbe Rot denn gar nicht mehr geschätzt?«, er schnalzte gelangweilt mit der Zunge.
Ich antwortete nicht, dafür fühlte ich mich zu sehr wie gelähmt.
Grinsend sah er mich kurz an, holte sein Death Note hervor und schlug es auf. Es herrschte kurz Stille, während er die Seiten durch ging und scheinbar nach etwas suchte. Sekunden später, schlug er das Buch wieder zu und sah wieder grinsend zu mir.
»Wie ich es mir bereits gedacht habe.«, sagte er und näherte sich mir langsam.
»Du musst dieses besagte Objekt sein, nach dem ich heute unsäglicher Weise suchen sollte. Dabei hatte ich noch so viel zu tun!«, jammerte er und warf sich theatralisch sein Haar zurück.
»Äh… ich verstehe kein Wort…«, sagte ich leise. Es fehlte nicht viel und ich würde vor Angst nur noch piepsen.
»Du verstehst nichts? Na, das ist mir einerlei.«, grinsend beugte er sich dicht zu mir vor und zeigte mir seine spitzen Zähne.
»Ich bin der Butler Tod! DEATH!«, er machte sein übliches Handzeichen und leckte sich mit der Zunge über die Lippen. »Und mit dir… ist es bald aus…«, grinsend stupste er mich gegen die Brust und richtete sich wieder auf.
Das war der Moment, wo sich mein Körper mit unglaublicher, wiedergewonnener Kraft von selbst bewegte. Ich rannte an dem rothaarigen Shinigami vorbei und verpasste ihm noch einen Tritt in den Hintern (oh ja), bevor ich mich auf die Tür stürzte, sie aufriss und nach draußen rannte. Zeit blieb mir keine, die Tür wieder zu zuknallen. Ich rannte einfach den langen Gang entlang und hoffte, nicht in die falsche Richtung zu rennen, wo nur eine Sackgasse auf mich warten würde.
Glücklicherweise sah ich bereits den Treppenabsatz und spurtete wie eine Antilope darauf zu. Ich nahm mehrere Stufen auf einmal und traute mich nicht umzudrehen. War er bereits hinter mir her? Vielleicht sogar ganz dicht hinter mir? Ich wollte gar nicht daran denken und rannte einfach weiter.
Einige Leute, denen der Lärm im Saal wohl zu viel war, hatten es sich im Empfangssaal etwas gemütlich gemacht und sahen überrascht auf, als sie das Nervenbündel im langen Kleid und verrutschter Frisur vorbeirennen sahen.
Mein erster Gedanke war Sebastian, doch wo war er? Wurde er etwa von Grell besiegt? War das möglich? Aber warum lief Grell dann frei herum? Ich biss mir auf die Lippe und zwang mich, während meine Beine bereits schon ins Freie rannten, nachzudenken.
Ich hatte keine Ahnung wohin, einfach nur weg. Schnell rannte ich in den Garten, wo Sebastian einen kleinen Irrgarten eingerichtet hatte. Das schien mir das perfekte Versteck zu sein. Oder auch eine perfekte Todesfalle. Falle hin oder her, ich hetzte wie ein gejagtes Kaninchen in den Irrgarten hinein und blieb erst stehen, als ich den Schmerz an der Seite und am Arm spürte.
Keuchend lehnte ich mich, so gut es eben ging, gegen den Strauch und hielt mir den rechten Arm. Ich muss wohl darauf geschlafen haben oder eine falsche Bewegung gemacht haben, auf jeden Fall schmerzte er und ständiges nach Luft japsen half nicht wirklich weiter. Schnell sah ich mich um, aber ich entdeckte nichts Rotes oder sonst etwas Gefährliches.
Ich erlaubte mir, mich auf den Boden zu setzen und mich zuerst einmal zu beruhigen.
War Sebastian als Dämon nicht der Stärkste? Sollten die beiden sich nicht höchstens ebenbürtig sein? Ich wusste, dass ich mich jetzt nicht auf Sebastian oder auf diesen Irrgarten hier verlassen konnte. Auf wen konnte ich mich denn überhaupt verlassen? Ich biss mir verzweifelt auf die Unterlippe.
Zu allem Übel fing es nun an zu regnen.
»Verdammt…«, fluchte ich und schlang meine Arme, um meine Beine.
»Ich weiß, dass du hier irgendwo bist…«, hörte ich Grell in einem gefährlichen Tonfall sagen. Er schien von meinem Tritt scheinbar gar nicht begeistert zu sein.
Ich schluckte. So schnell hatte er mich bereits aufgespürt? Seine Stimme war dennoch etwas weiter weg. Schnell stand ich so leise es ging auf und lief weiter in den Irrgarten hinein.
»Hab dich. ♥«, plötzlich packten mich zwei Arme aus dem Gebüsch und zogen mich zu sich.
Ich stieß einen erschreckten Schrei aus und schlug mit Armen und Beinen um mich, doch die Hände schienen mich nicht mehr loslassen zu wollen.
»He… Hey! Lass das!«, es war Ronald, der aus dem Gebüsch auftauchte und mich fest an seine Brust gepresst hielt.
»Ich würde mich an deiner Stelle ruhig verhalten.«, flüsterte er mir zu und verstärkte seinen Griff.
»Habe ich dich endlich!«, rief Grell plötzlich, der seitlich von uns auftauchte, Ronald überraschte, indem er seine Death Scythe mit lautem Gelärme auf ihn zielte und ihn beinahe getroffen hätte, hätte Ronald mich nicht losgelassen und sich zur Seite geworfen.
»Gre… Grell-senpai?!«, rief Ronald überrascht. »Sie hätten mich fast zweigeteilt!«
»Ronald?«, Grell richtete sich wieder auf und hievte seine Death Scythe wieder aus dem Boden, in das es sich sich gebohrt hatte.
Ich nutzte die Chance und haute ab.
»Was zum… sie entkommt!«, rief Ronald.
»Das sehe ich selber, du Idiot! Hinterher!«, schrie Grell. Und nun hatte ich zwei Shinigamis am Hals.

Kapitel 5

Kapitel 5

Zwei Überwesen, die hinter einem herjagen, sind nicht gerade leicht abzuhängen. Vor allem wenn man sich die Schulter verrenkt hat, noch ganz erschöpft und aus der Puste ist und ein zentnerschweres Kleid vor sich herschleppen muss.
Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren, kam aber auf kein Ergebnis. Wie sollte ich mich in so einer Situation verhalten? In der Schule hatte man einem leider nicht beigebracht, wie man sich in gefährlichen Situationen mit Shinigamis zu verhalten hatte. Da ich wusste, dass sie mich gleich eingeholt haben würden, blieb ich einfach stehen, drehte mich um und sah meinem Tod quasi ins Gesicht.
Ronald und Grell hatten mich bereits eingeholt und blieben langsam misstrauisch vor mir stehen.
»Hast du dich also endlich entschieden stehen zu bleiben…«, grummelte Ronald und wischte sich  mit dem Ärmel über den Mund.
»Dafür wurde es auch langsam Zeit!«, sagte Grell während seine Mundwinkel sich zu einem Grinsen formten. »Ich liebe es zwar mit der Beute ein wenig fangen zu spielen…«
»Sie meinen mit einem menschlichen Wesen, Senpai.«, unterbrach ihn Ronald und hob die Augenbraue.
Grell ignorierte ihn. »Aber so wie du mich durch die Gegend gehetzt hast… und mir einfach einen Tritt verpasst hast…«, gefährlich näherte er sich mir und blieb direkt vor mir stehen.
»So etwas kann ich nicht leiden.«, sein Grinsen wurde breiter und gefährlicher.
»Aber wenn William-senpai es tut, scheint es ihm ja mehr als zu gefallen…«, murmelte Ronald und schüttelte den Kopf.
Grell warf ihm einen giftigen Blick zu. Diesen kurzen Moment nutzte ich zu meinem Gunsten, krallte mich an dem rothaarigen Shinigami fest, zog mich zu ihm hoch und küsste ihn auf die Lippen.
Um ehrlich zu sein, wusste ich auch nicht, was ich da tat. Wahrscheinlich hatte ich schon den Verstand verloren und sah diesen Kuss als so etwas wie den «Todeskuss« an. Sehr dramatisch.
Grell schien mehr als überrascht, er erwiderte den Kuss nicht, aber er tat auch nichts, damit ich aufhörte. Wie gesagt, er war überrascht. Seine Lippen waren fest zusammen gepresst, daher versuche ich auch gar nicht, einen Schritt weiter zu gehen.
Ronald muss bei dem Anblick glatt die Kinnlade heruntergefallen sein, er haperte irgendwas vor sich hin. Ich hörte nur etwas wie “Ba… wa… da…?!” und “Hah?!”.
Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, als ich mich von Grells Lippen löste, sofort auf Abstand ging, damit er mich nicht auf der Stelle massakrieren konnte, und ihn anstarrte.
Grell stand wie angewurzelt da. Scheinbar bemüht etwas zu sagen. Zuerst machte er den Mund auf, dann aber wieder zu. Wieder auf, wieder zu. Er starrte mich auch gar nicht direkt an, sondern irgendwo ins Leere, als ob sein Verstand zu realisieren versuchte, was gerade geschehen war.
Dass ich jemals einen Shinigami, und noch dazu Grell, küssen würde… dass es wirklich dazu gekommen ist, das schien ich selbst auch noch nicht realisiert zu haben. Aber da ich mich nun mal in einer Notlage befand, erlaubte ich es mir, nicht darüber nachzudenken.
»Ähm… Senpai? Alles in Ordnung?«, es lag ein ehrlich besorgter Unterton in Ronalds Stimme, als er sich langsam seinem Senpai näherte, als wäre er ein schreckhaftes Reh, welches ihm sofort davonlaufen könnte.
Langsam öffnete sich Grells Mund wieder.
»T… t… tö….«, stotterte er.
»Was?«, Ronald stand bereits so nah an Grell, dass dieser ihn fest am Kragen packte, ganz nah zu sich zog und mit einem Ruck unglaublicher Kraft praktisch durch das Gebüsch warf. Es war ein dumpfer Aufprall und ein “Argh” von Ronald zu hören, als er unsanft auf dem Boden landete.
»Töten!! Ich werde dieses Weib…«, ich hörte mir das erst gar nicht weiter an, sofort drehte ich mich um und rannte wieder gerade aus. Irgendwohin, Hauptsache weg von dem rothaarigen Shinigami, welchen ich nun vollends zur Weißglut gebracht hatte.
Als ich mich flüchtig umdrehte, um nachzusehen ob ich bereits verfolgt wurde, rannte ich plötzlich in jemanden rein und landete auf dem Allerwertesten. Kurz schüttelte ich den Kopf, als sich bereits funkelnde Lichter vor meinen Augen sichtbar machten, und ich sah auf.
»Hey? Was ist denn mit Ihnen los? Alles in Ordnung?«, es war Bard, der etwas irritiert zu mir hinunter sah.
»Baaaaaaaard!«, hörte ich plötzlich jemanden rufen. Es war Finny, der zusammen mit Maylene angerannt kam.
»Soeben sind die Butler der Königin eingetroffen! Dieser Nimmersatt Charles isst und isst…«, sagte Finny aufgeregt und schnappte erst mal wieder nach Luft, bevor er fort fuhr. »…und isst und isst und isst…«.
»Schon gut Finny.«, sagte Maylene und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Selbst halb aus der Puste, da sie mit Finny mithalten musste.
»Was?! Bei der Menge an Leuten… und mit diesem Allesfresser… so viele Gerichte hat Seb-, ich meine habe ich doch gar nicht zubereitet, oder?!«
Beide schüttelten den Kopf.
»Da hilft wohl nur eines…«, Bard holte aus dem nichts seinen Flammenwerfer hervor.
»Hyahhh?! Bard was hast du vor?! Du willst doch nicht etwa den Butler der Königin…?!«, fragten Maylene und Finny gleichzeitig und rannten aufgeregt im Kreis.
»Genau das habe ich vor!«, er betonte es damit, dass er sich seine Schutzbrille auflegte und eine kleine Stichflamme aus dem Feuerwerfer anzündete.
Maylene und Finny liefen noch eine Weile aufgeregt im Kreis umher, mit Argumenten gegen Bards Vorhaben, bis sie mich bemerkten.
»Uh…? Das gnädige Fräulein? Miss, wieso sitzen Sie denn auf dem Boden?«, fragte Finny, beugte sich fragend zu mir herunter und legte den Kopf schief.
»Hii?! Sind Sie etwa gestolpert, Miss?!«, fragte Maylene aufgeregt.
Ich nickte knapp und sah mit den Augenwinkeln in die Richtung, aus der ich gekommen war. Ich sah etwas Rotes aufblitzen. Oh…
Ich versuchte langsam aufzustehen, aber nach dem Gerenne, der Verrenkung und Aufregung, war das gar nicht so leicht. Vor allem nicht, wenn man so ein Kleid trug.
»Bard! So hilf ihr doch auf!«, beschwerte sich Maylene.
»Was?«, fragte dieser verwirrt.
»Ich helfe schon!«, sagte Finny, schnappte nach meiner Hand und bevor Maylene “nein” schreien konnte, flog ich bereits in der Luft umher.
 
 
[nicht mehr aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]
 
Schlitternd und voller Wut kam Grell gerade noch zum Stehen, als das Mädchen, welches ihn einfach geküsst hatte, meilenweit durch die Luft flog.
»Was zum…«, zähneknirschend und leicht verwirrt, sah er ihrem, durch die Luft fliegenden, Körper hinterher, der nun unsanft irgendwo gelandet sein müsste.
Keuchend kam auch Ronald neben ihm zum Stehen und konnte das Geschehen noch knapp mitverfolgen.
»Hah… was?!«, keuchte Ronald und sah ebenfalls verwirrt gen Himmel.
Als Grell seinen Blick schweifen ließ, entdeckte er die drei Bediensteten, die ebenfalls stumm in den Himmel starrten.
»Hey! Ihr drei da!«, schrie er. »Wie konntet ihr es wagen… bevor ich diesem Mädchen eine Lektion erteilen konnte!«, seine Stimme überschlug sich beinahe vor Wut und er lief geradewegs auf Bard zu und packte ihm am Kragen.
»He… Hey! Moment mal… wer sind Sie überhaupt?!«, fragte Bard sichtlich verwirrt und starrte Grell an.
Grell ging auf seine Frage nicht ein und verstärkte stattdessen seinen Griff.
»Hey! Senpai! Lassen Sie es! Unsere Aufgabe ist eine ganz andere…«, versuchte Ronald den rothaarigen Shinigami zu beruhigen.
»Tz…«, ohne weiteres, ließ Grell Bard wieder los, so dass dieser unsanft auf dem Boden landete.
Wütend sah dieser auf und knirschte mit den Zähnen.
»Was erlaubst du dir…«, sofort stand Bard wieder auf, griff nach seinem Flammenwerfer und hielt ihn direkt vor Grells Gesicht.
»Kyahhh! Bard lass das!«, riefen Finny und Maylene aufgeregt.
»Du wagst es tatsächlich, dieses Ding vor mein Gesicht zu halten?«, fragte Grell nun in einem gefährlichen Tonfall und grinste.
»Ich werde dir dein dreckiges Grinsen schon aus dem Gesicht brennen.«, grummelte Bard.
Es war ein kurzes “Klick” zu hören und schon schoss das Feuer aus dem Gerät hervor, so dass alles in Reichweite von 3 Metern zu brennen anfing.
Alles, außer dem rothaarigen Mann, der direkt vor ihm stand.
»Äh…?«, Bard sah sichtlich verwirrt aus. Dem Rothaarigen schien nichts passiert zu sein. Lediglich eine kleine Flamme brannte an einem seiner Haarsträhnen, welches er sofort mit den Fingern zerdrückte.
»Tz… also wirklich… das war ganz schön gefährlich…«, sagte Grell grinsend, erhob seine Death Scythe und hielt sie direkt unter Bards Kehle.
»F… Finny… wir sollten sofort Sebastian rufen… es scheint so, dass beide nicht aufhören werden… und dieser rothaarige Mann scheint mir mehr als gefährlich zu sein«, murmelte Maylene Finny zu, während sie beide nicht aus den Augen ließ.
»Ja… du hast recht.«, Finny nickte, drehte sich um und rannte schleunigst in Richtung Anwesen.
Als Maylene sich ihm gerade anschließen wollte, packte sie plötzlich eine Hand an der Schulter.
Verwirrt drehte Sie sich um, beinahe schon zum Kampf bereit, da Sie nun mit allem rechnete.
Es war der gut aussehende blonde Junge mit der Brille.
»Hey… wohin denn so eilig?«, grinsend starrte er sie an.
Maylene schluckte.
 
  
[wieder aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]
  
Wenn jemand so starkes wie Finny, einen ohne Vorwarnung in die Luft schleudert, kommt man wegen dem ganzen Druck und dem Schock, gar nicht erst zum Schreien. Ich fragte mich sogar, als ich noch in der Luft herum flog, ob es nicht seltsam war, dass ich nicht schrie.
Werde ich jetzt sterben? War‘s das?
Bevor ich mich überhaupt mit dem Gedanken anfreunden konnte, bald unter der Erde zu schlummern, kam ich dem Boden immer näher. Ich schloss die Augen und schickte noch ein Stoßgebet an den lieben Gott.
Doch statt dem tödlichen Aufprall, den ich erwartete, landete ich auf etwas mehr oder weniger “weichem”.
Noch etwas benommen, versuchte ich mich aufzurappeln, konnte mich jedoch kaum bewegen.
»Kyahhh! Da ist eine Frau vom Himmel gefallen! Direkt auf den Viscount!«, schrie eine schrille Frauenstimme.
»Ahh…«, hörte ich jemanden direkt unter mir stöhnen. Ich kroch etwas zur Seite.
Ich bin direkt auf einen ganz in weiß gekleideten, blonden Mann gelandet, dessen Gesicht direkt im Dreck lag.
Ich schluckte. Hatte diese schrille Frauenstimme nicht gerade eben etwas von Viscount gebrabbelt?
Und tatsächlich. Der junge Mann richtete sich langsam auf und sah mich direkt an. Es war Viscount Druitt, der etwas belämmert dreinschaute. Hoffentlich hatte er durch mich nicht endgültig einen Knacks abbekommen.
»Äh… ve… Verzeihung!«, murmelte ich und senkte den Kopf. Peinlich war es dennoch.
»Ah…«, sagte er nur.
»Äh…?«, ich sah wieder auf und bemerkte, dass er mich mit glänzenden Augen betrachtete.
»Ein Engel ist vom Himmel gefallen! Direkt auf mein Haupt! Welch Wunder wir noch hier am herrlichen Anwesen des Earls erleben dürfen! Welch unsagbares Wunder!«, als wäre nichts geschehen, stand er wieder auf den Beinen, vollführte sogar eine Pirouette und hielt sich mit einer Hand, voller Entzückung, die Stirn.
»Ihr Kleid mag vielleicht verdreckt sein…«, ich sah auf mich hinunter und stellte fest, dass dies tatsächlich stimmte. »…aber ihr Herz ist so rein wie der frische Morgentau! Ein Engel, meine Damen und Herren! Ein Engel!«, betonte er noch mal energischer und machte Bewegungen, die einem Sorgen machten, dass er in Ohnmacht fallen könnte.
Ich sah mich schnell um. Ich war weiter, als ich vermutete, geschleudert worden.
Ich befand mich nun im Vorgarten inmitten vieler Gäste. Sie alle musterten mich verwirrt von oben bis unten.
Plötzlich stand der Viscount vor mir.
»Mein Engel ~«, er reichte mir seine Hand zum aufhelfen.
Ich nahm sie entgegen. Meine Beine fühlten sich an wie Pudding und ich war kaum noch im Stande zu stehen. Ich fühlte ein kurzes, schmerzhaftes Stechen im Fußgelenk. Hatte ich mir den Knöchel verstaucht?
Der Viscount musste wohl meinen Blick bemerkt haben.
»Hat sich der Engel etwa eines seiner wunderschönen Flügel gebrochen?«, lächelnd beugte er sich zu mir vor.
»Äh… nein… eher den Knöchel verstaucht… aber es ist schon…«, bevor ich meinen Satz beenden konnte, ging Druitt bereits in die Knie und hob meinen Fuß an, um ihn zu kontrollieren.
»Oh… tatsächlich. Oh nein, oh nein ~ Solch wunderbares Wesen, welches nicht gehen kann. Unerhört! Machen Sie sich keine Sorgen, mein Engel. Ich habe Medizin studiert.«, mit einem Ruck hob er mich plötzlich ohne jede Vorwarnung (wann hat man mich hier jemals vorgewarnt?!) in seine Arme und trug mich in Richtung Anwesen.
»D…Das ist wirklich nicht nötig!«, rief ich noch aufgeregt, aber er schien mir nicht zuzuhören.
Die Frau, die vorhin so schrecklich schrill geschrien hatte, ließ nochmals einen Schrei von sich, diesmal einen Schrei des Entsetzens, als Sie mich in den Armen des Viscounts entdeckte.
»Sie ist so schmutzig!«, hörte ich eine Frauenstimme von irgendwo flüstern.
»Der Viscount ist ein wahrer Gentleman!«
Blabla… ich wollte wieder herunter, bevor dieser Verrückte sonst was anstellen konnte. Er war nicht gerade die vertrauensvollste Person.
»Sobald ich mich um Ihren Fuß gekümmert habe, mein Engel, wagen wir sogleich ein kleines Tänzchen!«, sagte er und lächelte mich an. Doch bevor ich etwas entgegnen konnte, blieb er stehen. Als ich meinen Kopf wieder nach vorne drehte, sah ich warum er angehalten hatte.
»Hätten Sie die Güte, das Fräulein mir zu überlassen?«, fragte der Butler in schwarz und lächelte sein falsches Lächeln.

Kapitel 6

Kapitel 6

»Wie bitte?«, fragte der Viscount Sebastian, ohne scheinbar dessen überdeutlich hervorstechende Aura zu bemerken.
»Ich wiederhole mich ungern…«, sagte dieser nur, weiterhin lächelnd.
»Ähm…«, sagte ich und schluckte. »Es geht schon… Könnten Sie mich vielleicht wieder runter lassen?«, fragte ich Druitt etwas unsicher. Dieser sah mich mit einem Ausdruck an, der so viel sagte wie “Sag, was du willst, ich lass dich nicht mehr gehen“.
»Bitte?…«
»Ah! Wenn man mich schon darum bittet! Wie könnte ich einer holden Maid, diese Bitte abschlagen?! Dieser Blick! Eines Engels gleich! Hier!«, er übergab mich in die Arme des Butlers.
»Dieses Bild! Mein Herz! Es zerbricht, sollten Sie nicht schon bald wieder zu mir zurückkehren, meine Teuerste!«, mit diesen Worten nahm er meine Hand in seine, hauchte mir einen Handkuss zu und lächelte mich an.
Ich nickte nur etwas eingeschüchtert durch sein… völlig euphorisches Auftreten, und bevor ich auch nur etwas sagen konnte, drehte sich Sebastian, mit mir in seinen Armen, bereits um und trug mich aus dem Saal voller Menschen in Richtung Eingangstür.
Einige Gäste, die im Weg standen, machten sofort Platz, um Sebastian und mich in seinen Armen durch zu lassen. An ihrer Stelle wäre ich ebenfalls sofort ausgewichen. Er strahlte eine noch düsterere Aura als sonst aus. Das machte mir nun etwas zu schaffen. War er verärgert?
Er öffnete die Tür aus dem Saal und schloss sie mit einer Hand sachte wieder hinter uns zu. Danach lief er die Treppe hoch und ging in das nächstbeste Zimmer hinein.
»Ich werde Sie nun auf das Bett setzen.«, sagte er in einem monotonen Tonfall.
»Das müssen Sie mir nicht extra sagen…«, bemerkte ich.
»Ich dachte, ich warne Sie lieber vor, scheinbar ziehen Sie gefährliche Situationen magisch an.«, entgegnete er trocken.
»Was ist daran gefährlich?«, fragte ich verwirrt, als er mich sachte auf das Bett setzte.
»Möglicherweise das?«, mit einem Ausdruck im Gesicht, den ich nur als kalt und ausdruckslos beschreiben konnte, war er plötzlich mit einem Ruck über mir und drückte mich mit seinem Gewicht an das Bett. Erschrocken schnappte ich nach Luft. Seine Bewegung war so schnell und perfekt gewesen, es wäre unmöglich gewesen, dies vorherzusehen.
»Was…. Was haben Sie vor?«, fragte ich eingeschüchtert, versuchte es mir aber nicht anmerken zu lassen.
»Sie haben für ganz schön viel Ärger gesorgt.«, er blickte mich mit seinen roten, kalten Augen direkt an. »Mein junger Herr hat mir einiges aufgetragen, was ich alles zu seiner vollsten Zufriedenheit erfüllt habe. Doch Ihre Anwesenheit scheint die Shinigamis praktisch magisch anzuziehen… Ihre Aura… Ihr ganzes Wesen scheint mir nicht stimmig…«, er runzelte kurz die Stirn, aber nur für einen Augenblick.
»Ich weiß nicht, wovon Sie da reden…«, ich schluckte. War ich denn so einfach zu durchschauen?
»Mhm…«, er formte seine Lippen zu einem belustigten Lächeln, während er mich mit dem kühlen Ausdruck seiner Augen betrachtete. Ich beobachtete die langsame Bewegung seiner behandschuhten Hand, die sich langsam um meinen Hals legte und plötzlich anfing zu drücken. Scheinbar reichte es ihm aus, mich nur mit einer Hand zu erdrosseln. Der starke Griff, um meinen Hals, schnitt mir die Luft ab und jeder einzelne Atemzug war schmerzhaft, panisch und brannte. Ich schlug mit meinen Beinen und Armen nur so um mich, doch jeder Tritt, den ich ihm verpasste, schien ihm nicht im geringsten etwas auszumachen. Mit einer Hand umschloss ich verzweifelt seinen Arm und versuchte mich von seinem Griff zu befreien, zwecklos. Er war (natürlich) unmenschlich stark und in seinen Augen blitzte etwas auf… etwas blutrünstiges, was mir noch mehr Angst machte. Mir traten Tränen in die Augen, bei meinen jämmerlichen Versuchen nach Luft zu schnappen.
Gerade in dem Moment, als ich dachte das Bewusstsein zu verlieren, machte jemand die Tür auf.
»Sebastian! Wo warst du die ganze Zeit? Du hättest meinen Ruf hören sollen!«, sichtlich verärgert stand Ciel vor der Tür. Das konnte ich sehen, da mich Sebastian mit unglaublicher Schnelligkeit losgelassen, wieder auf dem Bett sitzend aufrichtete und plötzlich vor mir, auf dem Boden kniend, etwas Stoffartiges um meinen verstauchten Fuß bindete.
»Es tut mir Leid, junger Herr, ich war anderweitig beschäftigt.«, lächelnd drehte er sich mit dem Kopf in Ciels Richtung. Dieser schnaubte nur verärgert und sah sich die Situation genauer an.
»Was ist passiert?«, er trat näher und starrte meinen, nun von Sebastian verbundenen, Fuß an.
»Nicht der Rede wert.«, antwortete Sebastian stattdessen für mich. Gerade eben hat er mich noch versucht zu töten… Was ging hier vor sich?
»Ich habe nur den Fuß der jungen Dame verarztet, Sie stimmen mir sicher zu, dass dies größere Priorität hatte, als Ihr Anliegen?«, lächelnd stand er wieder gerade auf den Beinen und sah schon fast provokant zu seinem jungen Herrn herab.
Dieser schnaubte nur wieder verächtlich und wollte scheinbar sein “Anliegen“ nicht vor mir an Sebastians Kopf werfen. Ich saß meinerseits schweigend auf dem Bett und versuchte meine Gedanken zu sammeln. Zuerst waren die Shinigamis hinter mir her und nun auch noch Sebastian? Aber warum? Er sprach vor mir direkt die Shinigamis an… Also ist ihm bewusst, dass ich von ihrer Existenz weiß. Doch weshalb wollte er mich umbringen?
Während ich vor mir hin grübelte, hörte ich plötzlich das Wort “Shinigami“ fallen.
»…so lange gedauert. Ich hoffe, er stellt nun kein Problem mehr dar?«, fragte Ciel und sah Sebastian dabei verärgert an.
»Er sollte sich fürs Erste zurückgezogen haben,«, sagte der Butler nur lächelnd.
»Hmpf, also bist du ihm wohl nicht gewachsen? Und so was nennt sich Teufel…«, er betrachtete Sebastian mit einem arroganten Blick.
»Sie belieben zu scherzen. Ich bin durch und durch Butler. Gehen Sie nicht von der Annahme aus, ich würde Mitleid mit meinen Gegnern haben. Wenn Sie es wünschen, werde ich ihn für Sie aus Ihrem Blickfeld entfernen.«, lächelnd beugte er sich leicht zu seinem jungen Herrn hinunter.
»Mitleid…«, Ciel gab einen missgelaunten Ton von sich und drehte sich in Richtung Tür um.
Sebastian trat sofort vor und öffnete ihm die Tür. Kurz bevor Ciel hinaustrat, drehte er sich noch mit dem Kopf zu mir um.
»Die Sache mit Ihrem Fuß tut mir leid, erholen Sie sich etwas.«, er lächelte sanft, aber ich sah ihm an, dass es mehr gespielt, als echt war. Danach trat er hinaus. Sebastian schloss die Tür langsam zu, blickte mich kurz davor aber mit einem eiskalten Blick an, der mir einen Schauer über den Rücken laufen ließ.
 
[nicht mehr aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]
 
Als Sebastian und Ciel aus dem Raum hinaustraten und “Miss“ alleine ließen, lief Ciel geradewegs stur den Gang entlang, dicht gefolgt von seinem Butler.
»Er ist nicht der Einzige..«, murrte Ciel.
»Ich weiß…«, antwortete Sebastian.
»Sie suchen nach etwas…oder nach jemandem.«
»Ja.«
»Und sie treiben sich noch immer hier herum.«
»Ja.«
»Wenn du das alles schon weißt… Weshalb unternimmst du dann nichts dagegen?!«, Ciel blieb abrupt stehen und starrte Sebastian verärgert an.
Sebastian lächelte lediglich.
»Spiel nicht mit mir, Dämon!«, Ciel knurrte beinahe.
»Sie haben mir nicht den Befehl dazu gegeben.«, lächelnd hielt Sebastian Ciels verärgertem Blick stand.
Ciels Beherrschung war ein schrecklich dünner Faden. Er rang einmal tief nach Luft, drehte sich wieder um und lief dann weiter.
»Stimmt.«, sagte er nur.
Lächelnd folgte ihm der Butler, drehte sich aber kurz mit einem Blick zu der Tür um, in der sich das Mädchen befand. Grinsend entblößte er seine Fangzähne und folgte seinem Herrn, wie ein Schatten, die Treppen hinunter.
 
[Bei den Bediensteten und den zwei Shinigamis]
 
Finny, der verzweifelt nach Sebastian suchte, dabei aber keinen Erfolg hatte, kehrte wieder zurück in den Garten, wo sich Maylene, Bard und noch die anderen beiden zwielichtigen Gestalten befanden.
Zu seinem Entsetzen versuchte Bard weiterhin den unbekannten Rothaarigen, der ihm aber auf eine seltsame Art und Weise bekannt vorkam, in Brand zu stecken. Dieser wiederum antwortete ihm mit einem lauten Aufheulen seiner Kettensäge, welche Bard mit seinem Feuerwerfer mehr oder weniger in Schach hielt. Als Finny sich nach Maylene umsah, sah er sie mit hochgestecktem Rock und mit zwei Pistolen, in beiden Händen, zum Angriff bereit. Ihre Brille trug sie wie immer, wenn sie mit den Pistolen umging, oben in ihren Haaren hochgesteckt.
Sie behielt mit einer wachsenden Vorsicht, den jungen Mann, mit den blonden und zur Hälfte schwarzen Haaren, genau im Blick, während sich die beiden umkreisten. Der Junge mit der großen Brille grinste sie nur an und fuhr mit seinem Rasenmäher gemütlich im Kreis herum.
Bevor Finny etwas sagen konnte, erklangen schon die ersten Schüsse aus Maylenes Pistolen und man hörte erneut die Kettensäge des Rothaarigen aufheulen. Der Blondschopf parierte die Kugeln mit einem kurzen Fußtritt, den er seinem Rasenmäher von unten verpasste, so dass die Kugeln klirrend vom Metall seines Death Scythes abgeblockt wurden. Eine Kugel schien ihn jedoch an der Wange gestreift zu haben, so dass ein dünner Blutstreifen seine Wange benetzte.
Grinsend wischte er sich mit der Hand das Blut weg und sah weiterhin herausfordernd zu Maylene herüber.
»Wirklich eindrucksvoll.«, sagte er nur.
Maylene erwiderte nichts und ließ im schnellen Tempo weitere Schüsse auf den Jüngling los.
Diese parierte er auf die gleiche Art wie vorher, nur dass ihn diesmal keine der Kugeln streifte.
Maylene ließ ein unzufriedenes Knirschen von sich hören und behielt ihr Gegenüber, ohne ein Wort, fest im Blick. Als Finnys Blick weiter zu Bard und dem fremden Mann wanderte, war bereits alles, im Umkreis von den beiden, in Brand gesteckt worden. Die Hecken brannten bereits sowie einige Grasflächen, und selbst ein Stück Haar an Bards Kopf. Dem Rothaarigen schien das Feuer nichts auszumachen, was sich Finny nicht erklären konnte. Verzweifelt sah sich Finny um, entdeckte hinter sich eine Statue, einer spärlich bekleideten Frau mit nur einem Arm, von der er noch wusste, dass Sebastian sie aus Griechenland für den Garten importieren ließ. Er erinnerte sich noch schwammig an weitere Einzelheiten, die für ihn im Moment aber auch nicht von Bedeutung waren. Schnell, ohne viel nachzudenken, packte er die Statue von unten, hob sie mit einem kurzen Ruck hoch und warf sie mitten ins Getümmel, so dass sie in tausend Einzelstücke zerbrach. All die Beteiligten brachten sich noch rechtzeitig in Sicherheit und hatten nun einen ordentlichen Abstand zwischen sich gebracht.
»Aufhören!«, schrie Finny und sah alle trotzig an.
Die vier Kämpfenden starrten kurz die Stelle an, an der die Statue zersprungen war, und sahen anschließend wieder Finny an.
»Was sollte das?! Weißt du denn nicht, wie gefährlich so was ist? Wie hättest du es verantworten können, wenn mich eines der zerbrochenen Granitstückchen gestreift hätten? He?«, empört richtete sich der Rothaarige auf und sah verärgert zu Finny herüber.
»Also wirklich Finny, das war sehr gefährlich, um ein Haar hättest du mich erwischt.«, sagte Bard und kratzte sich am Kopf.
»Außerdem war das die Statue, die Sebastian extra für den jungen Herrn hierher importieren ließ!«, fügte Maylene hinzu.
»Sagt mal… Ihr seid alle nicht wirklich normal, oder?«, bemerkte der Blonde.
Es herrschte kurz Stille.
Plötzlich sammelten sich Tränen in Finnys Augen, er ging in die Knie und fing an zu weinen.
»Ah?! Finny?!«, sofort rannte Maylene zu ihm und ging auf die Knie.
»Wääähhh!! Ihr wolltet euch alle gegenseitig umbringen! Das ist nicht richtig!«, wimmerte Finny und weinte.
»Ahhh…«, sagte Bard und sah seufzend woanders hin.
»Was ist denn das für eine Heulsuse…«, bemerkte Grell und zog eine Braue hoch.
»Grell-senpai, Sie sind wirklich ein Kinderschreck…«, murmelte Ronald.
»Wie bitte?!«, mit funkelnden Augen sah Grell zu Ronald rüber.
»Nichts…«, Ronald räusperte sich.
»Grell Sutcliff, Ronald Knox! Hier treiben Sie sich also herum.«, William tauchte um die Ecke, hinter einem Strauch Rosen, welches noch immer brannte, auf, und kam mit seiner Death Scythe in der Hand sowie seine Brille damit korrigierend auf die beiden zu.
»William!«, rief Grell entzückt, rannte auf den strengen Beamten zu und hakte sich sofort, ohne dessen Einverständnis, an seinem Arm ein.
Dieser seufzte nur und sagte nichts dazu.
»Haben Sie schon irgendwelche Fortschritte gemacht?«, fragte er und wandte sich dabei absichtlich nur Ronald zu.
»Ähm, nun ja… Sie wissen ja… ähm…«, Ronald kratzte sich am Kopf und überlegte angestrengt, wie er seinem Vorgesetzten erklären sollte, dass die verdächtige und wahrscheinlich gesuchte Person, ihm und seinem Senpai, den er nicht verraten wollte, entkommen war.
»Äh…«
»Drücken Sie sich klar und deutlich aus, Knox! Wir haben keine Zeit für solche Kinkerlitzchen.«, sein Blick wanderte weiter zu Finny, der auf dem Boden heulte, und zu der, ihn tröstenden, Maylene.
Ronald seufzte.
»Grell-senpais Gefühle gingen wieder mit ihm durch und im Eifer des Gefechts hat er die verdächtige Person entkommen lassen.«, demonstrativ zeigte er mit dem Finger auf Grell. Wenn er schon unterging, nahm er auch ihn mit.
»Ronald!«, fauchte Grell ihn schon beinahe an, weiterhin an Williams Arm eingehakt, von dessen Griff sich nun William löste.
»Wi… William?«, mit einem eingeschüchterten Blick sah Grell hoch zu William, der ganz und gar nicht erfreut war.
»Grell Sutcliff… Ich hoffe Sie sind sich dessen bewusst, dass Ihr Verhalten wieder dazu beiträgt, dass ich… nein, wir alle, unbezahlte Überstanden vor uns haben?«, energisch korrigierte er seine Brille und sah eiskalt zu dem rothaarigen Shinigami hinab.

 
[wieder aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]
 

Der Raum, in dem ich mich befand, wurde von einer einzigen Kerze, welche sich neben dem Bett, auf einer Kommode befand, erleuchtet.
Meine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit und ich tastete mich vorsichtig Schritt für Schritt an die Tür heran. Mein Kleid war vollkommen verwüstet und mein Haar ein einziges Schlachtfeld. Doch ich ignorierte das alles und dachte eher gerade daran, dass ich um ein Haar ermordet worden wäre. Wieso wollte mich Sebastian umbringen? Als ob die Shinigamis nicht schon ein Problem gewesen wären, jetzt musste ich mich auch noch mit einem Teufel herumschlagen? Und wieso wollte er nicht, dass Ciel etwas davon mitbekommt?
Da mir das Grübeln nicht weiterhalf, entschied ich mich dafür, lieber die Nähe des Earls oder von jemand anderem aufzusuchen, und lieber nicht allein mit dem Butler zu sein.
Ich schloss meine Hand um die Türklinge, drückte sie herunter und spähte vorsichtig in den Gang. Er war leer. Schnell trat ich hinaus, schloss die Tür wieder hinter mir zu und lief in Richtung Saal hinunter.

Gerade als ich die letzte Treppenstufe hinunterstieg, lief an mir plötzlich ein komplett weiß gekleideter Mann vorbei, dicht hinter ihm ein weiterer ganz in Weiß. Da sie so schnell an mir vorbeiliefen, erkannte ich sie nicht sofort, als sie aber um die Ecke bogen, vermutete ich, dass der vordere Mann Charles Grey sein musste, da er jeweils in beiden Händen zwei Hähnchenschenkel hielt und obendrein eins im Mund hatte. Der andere hingegen, der ihm dicht folgte, musste dann wohl Charles Phipps sein…
Was auch immer das war, ich hatte nicht das Bedürfnis ihnen zu folgen. Als ich weiter gehen wollte, hörte ich plötzlich die süßliche Stimme des Viscounts. Bevor er mich entdeckte, versteckte ich mich sofort hinter einer Säule. Er war mit einer kleinen Schar von Damen unterwegs, während er wieder hochgestochen vor sich hin redete und die Damen ihm kichernd folgten.
Als sie weg waren, trat ich aus meinem Versteck hervor, blieb aber abrupt stehen.

»Na na na… Hat sich da etwa ein kleiner Maikäfer zu uns verirrt, Ran-Mao?«, lächelnd und mit wie immer geschlossenen Augen, stand Lau mit Ran-Mao im Schlepptau vor mir.
Ich seufzte. Die Begegnungen wollten wohl nicht aufhören.
Ran-Mao entgegnete nichts und starrte mich nur ausdruckslos an, wie sie es bei jedem tat. Lächelnd sah mich Lau an. Ich sagte weiterhin nichts.
»Sie stecken in Schwierigkeiten… in sehr großen Schwierigkeiten. Einige Leute… sehr zwielichtige Gestalten treiben sich herum, und auch dem Butler sollte man nicht über den Weg trauen…«, Lau’s Gesicht verdunkelte sich etwas und er sah mich mit seiner geheimnisvollen Art an.
Ich zog eine Braue hoch.

»Sie wissen davon? Sind Sie auf deren Seite oder… trachten Sie mir auch nach dem Leben?«, fragte ich misstrauisch und trat vorsichtshalber einen Schritt zurück.
»Weder das eine noch das andere.«, antwortete er.
»Was dann?«, fragte ich.
»Um was geht es denn genau, wenn ich fragen darf?«, fragte er mit einem ahnungslosen Lächeln.
Ich kippte fast um.

Kapitel 7

Kapitel 7

Schnell behielt ich wieder das Gleichgewicht und sah leicht verwirrt zu Lau rüber, der mir ebenfalls einen verwirrten Blick schenkte und den Kopf schief legte. Ran-Mao ahmte ihm nach.
So wie es aussah, wusste er wirklich nicht, um was es ging, was eigentlich nicht verwunderlich sein sollte. Über den Weg trauen, würde ich ihm aber dennoch nicht. Wenn ich genau darüber nachdachte, wem konnte ich denn noch trauen?
»Vergessen Sie’s. Es ist nichts«, sagte ich knapp und schüttelte den Kopf.
»So? Sie scheinen mir aber sehr durch den Wind zu sein«, lächelnd sah er mich an.
»Das hat seine Gründe«, sagte ich knapp.
»Mh…?«, er grinste mich an. »Ihre Geschichte scheint mir aber höchst interessant zu sein. Nun sagen Sie schon, was geht hier im Hause des Earls vor, was Außenstehende lieber nicht mitbekommen sollten?«, lächelnd beugte er sich zu mir vor und öffnete leicht seine Augen.
»Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen«, ich versuchte, so ahnungslos wie möglich zu wirken, doch Lau schien sein Interesse nicht zu verlieren. Was erhoffte er sich für Informationen von mir zu bekommen?
Ich hinkte langsam rückwärts, um etwas mehr Abstand zwischen mir und Lau samt Begleitung zu bekommen, stockte jedoch, als die große Vordertür aufging und drei Personen hereintraten.
Es waren die drei Bediensteten Bard, Finny und Maylene. Alle drei sahen etwas ramponiert aus. Maylene hatte sogar ihr Kleid hochgesteckt und hielt zwei Pistolen in den Händen, ihre Brille hingegen steckte oben in ihrem Haar. Finny wirkte, als ob er geweint hätte und Bard schien recht verstimmt zu sein, was nicht ganz zu dem brennenden Stück Haar, auf seinem Kopf, passte. Sie mussten wohl geradewegs in die Arme der Shinigamis gerannt sein, dachte ich mir und starrte nur perplex in die Richtung, aus der sie kamen.
Tanaka, welchen ich überhaupt nicht bemerkt hatte, der sich aber scheinbar die ganze Zeit über, hier im Saal befand, und sich nun von seinem Sitzplatz aufrichtete, lief zu den dreien herüber, sagte etwas, was ich aus dieser Entfernung nicht verstehen konnte, nickte ihnen zu und verpuffte wieder in seine Chibiform. Chibi-Tanaka lief wieder zu seinem Platz, welcher aus einem Kissen zum Sitzen bestand, nahm seine japanische Tasse und trank mit einem herzlichen „Ho-ho-ho“, seinen Tee.
Während ich dies noch beobachtete, liefen die Bediensteten auf mich zu.
»Miss!«, rief Finny und rannte überstürzt auf mich los, wurde aber noch im letzten Moment von Bard am Kragen gepackt und zurückgezerrt.
»Ruhig. Oder willst du sie nun durch die Decke schmeißen?!«, murrte er.
»Entschuldigung…«, schnell ließ Finny den Kopf sinken und sah schuldbewusst zu Boden.
»Ich hoffe, es ist alles in Ordnung mit Ihnen?«, fragte Maylene sichtlich besorgt, während sie ihre Pistolen schnell und geschickt, vor mir versteckte. Wahrscheinlich wollte sie mir keine Angst machen.
»Ja, alles in Ordnung«, sagte ich und rang mich um ein Lächeln. Nein, ich war ganz und gar nicht in Ordnung! Aber ich konnte ihnen wohl schlecht von den Shinigamis und noch dazu von Sebastian, dem Butler des Hauses, erzählen.
Als alle drei noch keine Anstalten machten, zu gehen, ließ ich kurz meinen Blick schweifen und bemerkte, dass Lau nicht mehr da war. Sollte ich erleichtert oder beunruhigt sein?
Ich räusperte mich schnell.
»Ähm… ist alles in Ordnung? Sie drei sehen alle etwas mitgenommen aus, es tut mir leid, falls ich Ihnen Ärger bereitet habe«, das sollte wohl mal angesprochen werden.
»Huch? Nicht doch, nein, uns geht es blendend!«, sagte Maylene laut und lächelte breit.
Finny tat es ihr gleich und auch Bard rang sich, nachdem Maylene ihm auf den Fuß trat, um ein Lächeln.
»Aber sagen Sie mal, sind diese zwielichtigen Gestalten etwa Bekannte von Ihnen?«, fragte Bard und sah mich eindringlich an.
»Nein, nichts Derartiges«, antwortete ich wahrheitsgemäß.
»Was wollten die von Ihnen?«, fragte nun Finny.
»Ähm… ich weiß es nicht«, nun log ich etwas, aber ich wusste es ja selbst nicht genau. Meinen Tod?
Alle drei sahen mich so an, als würden sie mir nicht wirklich glauben. Ich glaubte es ja selbst nicht wirklich. Aber sie fragten nicht mehr weiter. Nachdem Maylene Bard und Finny anstachelte, sich umzuziehen und dann weiter Sebastian bei der Organisation zu helfen, verabschiedete ich mich zuerst einmal von ihnen.
Es ging den Dreien gut, das war schon mal sicher. Ich dachte mir, dass sich wohl nicht jeder gewöhnliche Mensch, gegen Shinigamis behaupten konnte. Andererseits waren diese drei Personen wohl kaum Menschen, die man als normal bezeichnen würde. Ich schüttelte den Kopf, lief weiter, nur um erneut wieder anzuhalten.
Die Shinigamis. Grell, Ronald und William.
Waren sie noch immer da draußen? Warteten sie wie Raubtiere darauf, dass sich ihre Beute ins Freie wagt? Würden sie mich dann genauso, ohne mit der Wimper zu zucken, zerfleischen?
Ein Schauer durchfuhr mich. Wie sehr ich zuvor die Shinigamis auch mochte, in diesem Moment konnte keine Rede davon sein. Das einzige, was ich verspürte, war pure Angst. Ich wusste, dass Menschenleben, also die Seelen der Menschen, für sie kostbar waren, doch ging es hier, bei mir, nicht um eine normale Seele, welche bald ihren Tod finden und zum Einsammeln gelten sollte.
Ich war ihnen ein Dorn im Auge und sollte von der Bildfläche verschwinden.

[nicht mehr aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]

Sebastian Michaelis stand vor einem, wortwörtlich ausgedrücktem, Schlachtfeld.
Langsam lief er den gesteinten Weg des Gartens entlang, welchen er noch erst vor kurzem, frisch gepflegt hatte. Nun brannten hier und da einige Grasbüschel, antike Statuen lagen zersplittert auf dem Boden und die künstlerische Aufmachung der Büsche war, ohne Gnade, unkenntlich gemacht worden.
Langsam blieb er stehen und sah sich mit einem missbilligenden Blick um. Seufzend zog er seine Handschuhe zurecht und erledigte seine Arbeit in Blitzgeschwindigkeit.
Als der Schaden bereits grob beseitigt wurde, machte er sich daran, die antike Statue wiederherzustellen, was selbst für ihn, nicht einfach war, da sie durch Finnys unmenschlicher Stärke in unzählige kleine Teile zersprungen war. Als auch diese Arbeit erledigt war, versuchte er, das Beste aus den Büschen und Sträuchern zu holen, wie es nur ging.
Er klopfte sich seine Handschuhe ab und betrachtete sein vollendetes Werk.
»Dass sie es auch immer so übertreiben müssen«, murmelte er nur und machte sich wieder in Richtung Anwesen. Jedoch nahm er nicht den üblichen Weg durch den Vordereingang, auch nicht den durch den Hintereingang des Gartens. Kurz ging er in die Knie und stieß sich vom Boden hoch in die Luft ab. Am Rande eines Fensterrahmens hielt er sich fest und stemmte sich mit einem Fuß in eine unebene Lücke des Gemäuers.
Ausdruckslos starrte er in den abgedunkelten Raum, in welchem sich eine Person befand.
»Komm rein«, sagte die Stimme genervt.
Mit einem flüchtigen Lächeln öffnete der Butler das Fenster, das nicht abgeschlossen war, und trat herein.
»Verzeiht, mein Herr, ich dachte, ich erscheine diesmal auf eine etwas andere Art bei Ihnen« , lächelnd trat er vor seinen jungen Herrn und verbeugte sich leicht.
»Es beeindruckt mich nicht, gerade wenn du auf den Wänden meines Anwesens herum kletterst«, schnaufte er zur Antwort.
»Wie auch immer. Sebastian. Ich habe einen Auftrag für dich«, sagte Ciel, der vor seinem Bürotisch saß und über ein Blatt Papier, nun direkt zu Sebastian hinüber sah.
Dieser senkte nur den Kopf, legte die Hand an die Brust und wartete, dass ihm sein Herr, seine Befehle erteilte.
Doch bevor es dazu kommen konnte, wurde schlagartig die Tür aufgerissen, eine Gestalt flitzte in den Raum, direkt auf Ciel zu, und umarmte ihn fest.
»Ciiiieeeeeeeeeeelll!! Wo warst du nur die ganze Zeit?! Der Ball ist doch noch gar nicht vorbei! Wo warst du nur?«, noch immer fest umarmend hielt sich Lizzy an ihrem Verlobten fest.
»Li-Lizzy!?«, keuchte Ciel und versuchte sich vergeblichst von ihrem Griff zu befreien.
Langsam ließ Lizzy Ciel los und sah mit einem kurzen Blick das Blatt, welches Ciel noch in der Hand hielt.
»Du arbeitest schon wieder? Während der Feier in deinem Anwesen?!«, wütend trat Lizzy zurück.
»Lizzy…«, setzte Ciel an, doch er wurde prompt von ihr unterbrochen.
»Ciel, du hast mir versprochen, mit mir zu tanzen! Stattdessen bist du immer wieder verschwunden und nun sehe ich, wie du wieder in diesem tristen Raum sitzt und arbeitest?!«, sie hielt die Hände geballt vor der Brust und Enttäuschung spiegelte sich in ihren Augen wieder.
Ciel seufzte nur und schaute weg.
»Ich habe dir gesagt, dass ich viel zu tun habe«, murmelte er nur.
»Verzeiht, der junge Herr ist ziemlich erschöpft von dem ganzen Trubel des Tages«, mischte sich Sebastian ein und trat vor.
Zweifelnd schaute Lizzy auf.
»Er hat mir schon unzählige Male erzählt, wie gern er doch mit Ihnen tanzen würde, doch sie wissen ja, wie stur er manchmal sein kann und die zusätzliche Arbeit lässt ihm einfach keine Ruhe«, lächelnd beugte er sich vor Lizzy und führte sie langsam aus dem Raum.
Kurz drehte sich Lizzy wieder zu Ciel um, senkte traurig den Blick und ließ sich von Sebastian aus dem Raum führen.
Als Lizzy wieder weg war, trat Sebastian in den Raum und schloss die Türen.
»Ich habe dir unzählige Male erzählt, wie gerne ich tanzen würde?«, schnaubte Ciel und setzte sich hin.
»Es würde zumindest der Etikette entsprechen, zu der sie angehören, falls Sie es nicht vergessen haben«, entgegnete der Butler und grinste.
Ciel schenkte ihm nur einen düsteren Blick und seufzte. »Dass Lizzy auch immer so übertreiben muss…«, murmelte er.
»Schuldgefühle, mein Herr?«
»Nein. Lass uns weiter machen«, antwortete er kühl und blickte direkt in die Augen des Teufels.

[wieder aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]

Was ich unbedingt brauchte, war ein heißes Bad!
Ich war vom vielen Rennen und der ganzen Aufregung schon total durchgeschwitzt und fühlte mich dementsprechend auch sehr unwohl in meiner Haut. Ganz zu schweigen von den ganzen Grasflecken auf meinem Kleid und meinen zerzausten Haaren, wirkte ich wie ein explodiertes Vogelnest.
Als mir zufällig wieder Maylene über den Weg lief, fragte ich sie, wo ich das Bad fände. Sie erzählte mir, dass das Anwesen ein großes Bad für Besucher besäße. Das andere gehöre dem jungen Herrn. Nachdem sie die restlichen Gäste, die sich zum Gehen aufmachten, verabschiedet hätte, würde sie gleich zu mir stoßen, um mir zu helfen, was ich zwar ablehnte, doch sie war hartnäckig und beharrte darauf, dass es ihre Pflicht als Hausmädchen wäre, mir als Gast, den Aufenthalt im Anwesen, so angenehm wie möglich zu gestalten. Es dauerte nicht lange, bis ich das Bad gefunden hatte und hineintrat. Es war ein wirklich großer Raum. Das Bad erinnerte mich ein wenig an die japanischen Bäder, welche so groß, wie ein kleines Schwimmbecken waren. Die Wände waren kunstvoll verziert, aber viel konnte ich von alldem nicht wahrnehmen, da es durch das heiße Wasser, welches durch die Wärme weiße Dunstwolken abstieß, das meiste neblig verhüllte.
Schnell zog ich mir das große Kleid aus, befreite meine Haare von all den Haarnadeln und stieg langsam, am Rand des Beckens, ins Wasser.
Es war angenehm warm, fast schon heiß, doch wunderbar wohltuend. Seufzend ließ ich mich ins Wasser gleiten und blieb eine Weile so.
Einige Minuten später, hörte ich Schritte. Jemand betrat das Bad.
Es musste wohl Maylene sein, daher machte ich vorerst auch keine Anstalten, mich zu bewegen. Es war einfach viel zu gemütlich.
Die Schritte kamen immer näher und plötzlich hörte ich Stimmen.
»Ah! Welch angenehme Wärme! Das Wasser hat die perfekte Konsistenz, die man sich nur wünschen kann!«, stöhnte der Viscount von Druitt.
Was hatte er hier zu suchen?! Sofort schwamm ich weiter entfernt in eine Ecke und überlegte fieberhaft. Hatte ich mich etwa in das Bad des Earls verirrt? Und weshalb war er noch hier?
Als ich noch überlegte, hörte ich weitere Stimmen.
»He! Viscount! Lassen Sie uns auch noch etwas übrig! In dem Land, aus dem ich komme, kann es nicht heiß genug sein! Haha!«, laut stürzte sich Soma ins Wasser und muss wohl den Viscount ins Wasser mitgezogen haben, denn dieser blubberte jämmerlich und japste keuchend nach Luft.
»Du lieber Himmel!«
»Soma-sama! Passen Sie bitte auf!«, rief Agni besorgt, der sich vor dem Becken befinden musste.
»Ah, Agni! Komm auch rein! Das Wasser ist herrlich!«, lachend schwamm Soma durch das Becken.
»A-Aber Soma-sama…weiß Ciel-sama denn, dass Sie sich in einem seiner Bäder aufhalten?«, fragte er besorgt.
»Und wenn schon! Er ist mein bester Freund und ich bin seiner! Da ist es doch völlig in Ordnung, sich ein Bad zu nehmen!«
»Wie bitte? Sie sind der beste Freund vom Earl? Ah! Erzählen Sie mir mehr von Ihrer verbotenen Beziehung zueinander, mein arabischer Junghengst!«, laut schwamm Druitt Soma hinterher.
»Arabisch? Ich bin Inder! Prinz Soma Asman Kadar, mein lieber Freund!«, sagte Soma und schwomm kräftig im Kreis.
Druitt setzte ihm nach und obwohl ich nicht alles aus meiner Ecke erkennen konnte, gab das ein seltsames Schauspiel ab.
Der Raum war groß…und voller Dunstwolken, wenn ich mich geschickt anstellte, konnte ich es bis zu mein, auf den Boden geworfenes, Kleid schaffen, es schnell überziehen und aus dem Bad verschwinden.
Langsam schwomm ich rückwärts, bis ich am Beckenrand ankam. Als ich mich schon aufstemmen wollte, um das Becken zu verlassen, berührte ich mit meiner nassen Hand einen nackten Fuß.
»Soma-sama? Möchten Sie das Bad schon verlassen?«, fragte Agni und bevor er mich erkennen konnte, glitt ich schnell wieder ins Wasser.
»Agni? Hast du was gesagt?«, fragte Soma, während er Druitts Kopf unter Wasser hielt, welcher verzweifelt mit den Armen wedelte.
»…«
»Agni?«, fragte Soma nochmals.
»Gmbhh!!«, sagte der Viscount.
»Soma-sama! Verlassen Sie das Bad umgehend! Hier muss sich ein Monster aufhalten! Gerade eben hat eine Hand mein Fuß berührt.
»Ah! Was? Sie sind doch nicht ganz bei Sinnen, Diener!«, rief Druitt keuchend, als Soma seinen Kopf wieder losließ.
»Also wirklich! Sie glauben doch nicht etwa, dass es so etwas wie Mo-«, er stockte mitten im Satz, als er seine Hand gestikulierend gehoben hatte und damit direkt nach meiner Brust griff.
»Kyah!«, schrie ich und tauchte wieder unter Wasser.
»Ich habe das Gefühl, soeben ein Stück Himmel berührt zu haben…«, murmelte der Druitt und wurde ohnmächtig.
»Was… zum…?«, gerade als Soma mich fast erkannt hätte, stürzte sich aus der Luft Agni auf ihn.
»Nicht hinsehen, mein Herr!«, mit einem Schrei voller Entschlossenheit, zog Agni seinen Herrn ins Wasser, so dass durch den Druck, den Agnis imposanter Sturzflug erzeugte, mich wie ein Stück Blatt bis an den Beckenrand trieb.
Keuchend hielt ich mich daran fest, versuchte mich langsam hochzustemmen und setzte mich kurz hin, um nach Luft zu schnappen. In diesem Moment schien der Viscount wieder zu Sinnen gekommen zu sein.
»Oh…Oh!! Was sehen da meine Augen! Eine nackte Schönheit inmitten von drei athletischen Männern?! Wie ungezogen! Wie wild! Ich hätte es mir in meinen erotischsten Träumen nicht auszumalen gewagt! Es i-«, Druitts Geschwafel wurde von Agni unterbrochen, der ihn mit einem Schrei der Verzweiflung, mit dem Kopf über, untertauchen ließ.
»Sehen Sie nicht hin, verehrter guter Freund meines Herrn! Eine Frau, die nicht Ihre ist, im entblößten Zustand anzusehen, ist sittenlos! Ich werde es nicht zulassen, dass die Augen meines Herrn, nachdem ich diese mühevoll reinigte, erneut entjungfert werden und Ihre ebenfalls nicht!«, er hielt mit beiden Händen Somas und Druitts Kopf energisch unter Wasser. Als ob ihre Unschuld, welche beim Viscount fraglich waren, mehr Wert war, als ihr Leben. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte, aber während Agni die Köpfe der beiden untertauchte, machte ich mich langsam humpelnd aus dem Staub, presste das zerknitterte Kleid, welches noch auf dem Boden lag, auf meinen nassen und zittrigen Körper und verließ, so schnell es ging, das Bad. Hinter mir hörte ich ein erleichtertes Japsen und Wasser plätschern.
Mit einem kurzen Blick hinter mich, lief ich schnell weiter und stieß plötzlich mit jemandem zusammen.

Kapitel 8

Kapitel 8

Ich verlor beinahe, für einen kurzen Moment, das Gleichgewicht. Konnte mich im letzten Moment aber noch fassen und stolperte leicht rückwärts. Vor mir stand, der in schwarz gekleidete Butler Sebastian. Er richtete seinen Blick auf mich, wie es ein Raubtier wohl mit seiner Beute tun würde. Beschämt und ängstlich zugleich, konnte ich meinen Blick nicht von ihm abwenden und presste mir zitternd das Kleid an meinen nackten Körper. Ich war noch völlig durchnässt und spürte bereits die Kälte an mir zerren .
Als er plötzlich näher auf mich zu trat, wich ich automatisch zurück, nur um gegen eine Wand mit dem Rücken zu stoßen. Ich saß in der Falle.
Um die Lippen des Butlers, umspielte sich langsam ein Lächeln. Ich zitterte noch immer und das Atmen fiel mir sichtlich schwerer, als er noch näher zu mir trat, bis uns nur wenige Zentimeter voneinander trennten.
Sein etwas langes Haar fiel ihm seitlich ins Gesicht, welches er mit einer kurzen Handbewegung hinter sein Ohr strich. Er begutachtete mich eine Weile, als ob er überlegte, wie er mich am besten quälen könnte, zog dann aber plötzlich sein Jackett aus und reichte es mir.
»Ziehen Sie sich das über. Es schickt sich nicht für eine Dame, im Hause meines Herrn, ohne jeglicher Kleidung herumzulungern.«, sagte er mit einem schon fast fiesem Lächeln.
Ich war noch zu ängstlich und etwas perplex um etwas zu entgegnen. Zögerlich nahm ich sein Jackett an. Vorsorglich drehte er sich um, so dass ich mir sein, für mich, zu großes Jackett anziehen konnte, welches jedoch meinen unteren Bereich kaum bedeckte, als ich es mir zuknöpfte. Ich presste die Zipfel des Jacketts an meinen Unterkörper und wusste nicht so recht, was ich als nächstes tun sollte. Ich sah auf das Kleid hinab, welches ich auf den Boden gelegt hatte. Ich wollte es schon aufheben und mir zumindest den Unterrock anziehen, doch da hatte sich der Dämon bereits wieder zu mir umgedreht, und hob mich mit einer geschickten, schnellen Bewegung hoch in seine Arme, wo ich mir überrascht, schnell Halt an seiner Schulter suchte und mich festhielt.
»W-was tun Sie da?«, fragte ich stotternd.
»Ich tue nur meine Pflicht«, antwortete er mir monoton und lief die Treppen wieder hoch, in Richtung des Eingangs des Saales. Verwirrt und immer noch vor Kälte zitternd, krallte ich mich an Sebastian fest, als ob es um mein Leben ginge. Vielleicht ging es ja auch genau darum?!
Im Eingangsbereich angekommen, der zur meiner Erleichterung leer war, lief er die Treppen zu den Räumlichkeiten hoch, machte die nächstbeste Tür eines Schlafzimmers auf und legte mich, zur meiner Verwunderung, sanft auf das Bett.
»Kleidung finden Sie im Schrank zu Ihrer linken«, sagte er und deutete nach links, wo sich ein großer, schön verzierter, Schrank befand.
Ich sagte nichts.
Es schien mir so, als ob er noch etwas sagen wollte, doch bevor es dazu kam, wurde die Tür mit einem lauten Schrei aufgerissen.
»Ah.?!«, es war Maylene die nun halb gestürzt, halb in der Luft wedelnd, versuchte das Gleichgewicht zu halten. Sie schaffte es nicht und knallte auf den Boden.
»Maylene?«, fragte Sebastian und machte keine Anstalten ihr aufzuhelfen.
Maylene raffte sich schnell wieder auf, war vollkommen rot im Gesicht, rückte sich energisch die Brille wieder zurecht und klopfte sich ihre Schürze ab.
»Ah.. eh.. ich wusste nicht dass Sie hier drinnen sind!«, plapperte sie schnell drauf los.
Sebastian legte nur den Kopf leicht schief und sah von Maylene wieder zu mir.
»Gut, wenn du schon mal da bist, kannst du dich ja um unsere Miss kümmern«, sagte er und deutete auf mich mit einem zweideutigem Lächeln.
Ich zuckte kurz zusammen.
»J-Ja! Aber natürlich Sebastian!«, antwortete sie hektisch und salutierte schon fast.
Sebastian warf mir noch einen letzten, kalten Blick zu, und verschwand wieder aus dem Zimmer. Er wirkte schon fast enttäuscht.

Als Sebastian den Raum verließ, stürzte sich Maylene ohne Vorwarnung auf mich und starrte mich verbissen, hinter ihren undurchsichtigen Brillengläsern an.
Fragend, und leicht benommen starrte ich zurück.
»W-was ging da vor sich?«, fragte sie mich aufgeregt.
»Eh.. ich verstehe nicht ganz?«
»N-na Sie! Sie und Sebastian! Was für unsittliche Dinge haben sie vor geschlossenen Türen getan? Ah!«
Maylene bekam plötzlich Nasenbluten. Schnell holte sie ein Taschentuch hervor und hielt es sich vor das bereits knallrote Gesicht.
»Was? Nein! Gar nichts!«, stotterte ich schnell.
»Gar nichts?«, hakte Maylene misstrauisch nach.
»Ja!«
»Hm.. naja, als ich so vor der Tür lauschte… ich meine stand.. nahm ich an..«, nun murmelte sie etwas vor sich hin. Ich schüttelte den Kopf.
»Da war wirklich nichts!«, ich wedelte abwehrend mit den Händen herum.
Maylene richtete sich wieder auf und schien erleichtert zu sein.
»Da bin ich aber froh.. ich meine für einen Butler der Phantomhives wäre es nicht gut für den Ruf.. und so!«, sie nickte schnell heftig mit dem Kopf, um den eigentlichen Grund, und zwar dass sie für Sebastian wohl etwas empfand, zu vertuschen.
Ich seufzte. Maylene war sich ja gar nicht darüber bewusst was hier vor sich ging, ich war es selbst ja noch nicht einmal. Sebastian hätte die Chance gehabt, mich in Windeseile zu töten, dennoch hat er gezögert, mir sogar geholfen, warum? Doch andererseits, warum machte ich mir die Mühe das Handeln eines Dämons zu verstehen? Ich seufzte abermals, was Maylene nicht entgangen war.
»Oh! Tut mir Leid! Sie wollen sich sicher umziehen und…«, nun starrte sie mich wieder starr an.
»Eh..?«
»D-d-d-das ist doch Sebastians Jackett?!«, voller Entsetzen, als wäre es etwas hochgiftiges, zeigte sie auf das Jackett, welches ich noch immer trug.
»Ehm ja.. ich hatte mich im Bad geirrt und da waren noch Besucher anwesend die ebenfalls ein Bad nehmen wollten, da habe ich mich raus geschlichen und dann kam Sebastian und da…«, brabbelte ich drauf los. Maylene schien so als ob sie sowieso nichts verstand, schien sich aber wieder zu fassen stand etwas zittrig und erneut errötet im Gesicht auf, öffnete den Schrank und holte mir so etwas wie ein Nachthemd raus.
Ohne viele Worte, sie sagte nur Guten Tag statt Nacht, verschwand sie mit einem Kopf, der kleine Rauchwolken auszuspucken schien. Ich saß einige Sekunden noch so da, bis mir die schleichende Kälte wieder bewusst wurde und schlüpfte in das Nachthemd hinein.
Es war wie ein dünnes Kleid, welches mir bis zu den Knien ging und sich wunderbar sanft an meine Haut schmiegte. Die Farbe war Dunkelblau und es war verziert mit einer Schicht Spitze, wo es auch am Dekolleté verziert war. Außer meinen Haaren war ich nicht mehr nass, ich war auch viel zu erschöpft um sie nun irgendwie zu trocknen oder zu frisieren, daher beließ ich alles so wie es war, löschte die Kerzen, außer einer, legte mich ins Bett und verfiel erstaunlich schnell in einen tiefen Schlummer.

[nicht mehr aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]

Sebastian Michaelis schritt langsam durch den Flur, nachdem er das Gästezimmer mit dem Gast des Hauses und Maylene verlassen hatte.
Eigentlich wollte er ein heißes Bad für seinen jungen Herrn vorbereiten, wurde dabei jedoch von diesem seltsamen Mädchen aufgehalten.
Als er wieder vor dem Bad ankam und hinein schritt, hörte er die Stimmen von den beiden Indern und die des Viscounts. Sebastian seufzte und trat neben Agni, welcher ganz eingenässt war.
»Oh! Sebastian! Seid gegrüßt«, er legte seine beiden Handflächen aneinander und nickte ihm kurz zu.
»Guten Abend Agni«, grüßte Sebastian und lies seinen Blick über das Geschehen im Bad wandern.
Zu seinem Bedauern (oder auch nicht), befand sich sein junger Herr im Wasser.
Inmitten von Prinz Soma und dem Viscount von Druitt.
»Ich..habe..gesagt..LASS DAS!«, schrie sein junger Herr Soma an und wedelte hilflos mit den dünnen Armen umher, während Soma ihn, an den Armen gepackt, durch das Becken zog.
Druitt sah derweilen entzückt von einer Ecke des Beckens den beiden dabei zu.
»Hah~ Die Freuden der Jugend!«
Sebastian seufzte. Nur weil er mit dem Gast beschäftigt war, hatte er nicht genug Zeit gehabt, die Gäste aus dem Bad zu scheuchen. Nun würde sein Herr noch immer nicht seine Ruhe bekommen. Ein verstohlenes Lächeln umspielten die Lippen des Teufels.
Lächelnd starrte Agni Sebastian an.
»Sebastian?«
»Hm..?«
»Ich hoffe es ist in Ordnung, das der Prinz sich hier ein Bad genehmigt hat«, fragte er mit besorgtem Unterton.
»Ein Bad? Das sieht mir viel mehr nach sportlicher Betätigung aus«, entgegnete Sebastian und sah Soma und Ciel dabei zu, wie sie von Beckenrand zu Beckenrand umher schwammen. In Ciel’s Fall, hin und her gezogen.
»Ah.. ja, der Prinz neigt immer zu Übertreibungen, aber seine Lebensfreude bleibt ihm immer erhalten. Das erfreut jedes Mal mein Herz«, lächelnd sah auch Agni ihnen dabei zu.
Sebastian entgegnete nichts.
»Aber ist es wirklich in Ordnung?«, hakte Agni besorgt nochmals nach.
»Aber natürlich verehrter Agni«, antwortet Sebastian und legte den Kopf leicht schief. »Sehen Sie denn nicht wie viel Spaß sie zusammen haben?«, lächelnd deutet er wieder auf die beiden Jungen im Becken. Ciel japste jedes Mal nach Luft, nachdem Soma seinen Kopf untergetaucht hatte, um ihm zu beweisen, dass auch er es länger als eine Minute aushalten konnte.
»Pure Lebensfreude«, er lächelte.
»Ah.. Sie haben Recht«, Agni nickte dem Butler zu und lächelte.
»Verschwinde!«, schrie Ciel und schwamm vor Soma weg.
»Ha! Ich habe dir doch gesagt das du schneller schwimmen kannst als du denkst! Und nun sieh dich an Ciel! Du bist ja fast schneller als ich!«, rief Soma und schwamm eilig Ciel hinterher.
»Nur weil du Trottel hinter mir he-«, bevor Ciel seinen Satz beenden konnte schwamm er direkt an den Rand des Beckens und stieß sich seinen Kopf daran.

»Aufwachen!«
»Ist er Tot? Oh mein Gott ist er Tot?!«
»Ich dachte sie glauben an die Göttin Krishna?«
»Sie ist nur eine Göttin von vielen. Wir verehren viele Götter.«
»Und von welchem Gott war hier die Rede?«
»Spielt das überhaupt eine Rolle verdammt?!«
»Ah! Möge Gott euren Seelen gnädig sein!«
»Wovon reden Sie?«
»Oh seht nur.. seine Augen.«
»CIEL!«
Ciel öffnete langsam seine Augen und starrte direkt in das Gesicht des Viscounts.
»Was zum?!«, erschrocken und ruckartig knallte er mit seinem Kopf direkt gegen den des Viscounts.
»Ah! Welch st-stürmische Be-begrüßung«, brabbelte er und kippte dramatisch um.
Ciel richtete sich langsam, mithilfe von Sebastian auf, welcher rechts neben ihm in der Hocke saß und ihm am Rücken stütze. Ciel hielt sich den schmerzenden Kopf.
»Was ist passiert?«
»Sie sind gegen den Beckenrand geschwommen mein Herr. Beim nächsten mal, sollten Sie besser darauf achten, wohin Sie schwimmen«, antwortete der Butler lächelnd.
Ciel schnaubte und wollte sich gerade aufrichten, als ihn plötzlich ein heftiger Hustanfall packte und Sebastian ihn daraufhin sofort auffing.
»Ciel! Alles in Ordnung mit dir? Es tut mir so leid! Wegen mir hast du dir den Kopf angeschlagen«, entschuldigte sich Soma gleich drauflos.
Sebastian hob beschwichtigend die Hand.
»Mein junger Herr hatte für heute wohl genug Aufregung, ich werde ihn nun zu Bett begleiten. Agni?«, Sebastian hob Ciel hoch in seine Arme, wogegen er sich nicht wehrte und weiter hustete. Sebastian starrte nun zu Agni.
»Sie wissen sicher noch wo sich hier die Gästezimmer befinden. Ich werde wohl eine Weile mit meinem Herrn beschäftigt sein, könnten Sie Ihren Herrn und Viscount von Druitt in Ihre Zimmer begleiten?«
»A-Aber selbstverständlich!«, Agni nickte sofort und stimmte zu.
»Vielen Dank«, lächelnd kehrte Sebastian, zusammen mit seinem Herrn in den Armen, den drein den Rücken zu und verschwand aus dem Bad.

[wieder aus der Sicht der Leserin bzw. Miss]

Es war mitten in der Nacht, der Vollmond leuchtete verhängnisvoll über der Stadt, erhellte jedoch nicht meinen düsteren Weg durch die enge Gasse. Ich lief weiter und versuchte mit einer Hand mich an der Wand zu stützen, um wenigstens so die Orientierung nicht zu verlieren. Eine Weile lief ich so weiter und hatte das Gefühl beobachtet zu werden. Doch immer wenn ich mich umdrehte, begrüßte mich die dunkle Stille Londons. Der Weg schien nicht enden zu wollen. Ich lief den Weg immer weiter und weiter, bis ich plötzlich etwas kaltes zu meiner rechten spürte. Ich zuckte kurz zusammen und tastete mit meiner rechten Hand vorsichtig danach. Es war glatt und etwas uneben, genau wie die Wand zu meiner linken. Der Weg wurde immer enger! Als ich stehen blieb hörte ich plötzlich Schritte hinter mir. Sie blieben ebenfalls stehen, als ob sie nicht damit gerechnet hatten, dass ich stehen bleiben würde.
Ich schluckte. Wer befand sich hinter mir?
Sofort rannte ich diesmal drauf los und spürte an meinen Schultern die kalten Wände die immer enger wurden. Zu meinem Schrecken hörte ich, dass mein Verfolger hinter mir ebenfalls anfing zu rennen. Die kalten Wände zerrten schon an mir und die unebenen Stellen der Wände, kratzten meine Kleidung samt Haut auf. Ich keuchte und rannte weiter durch die Dunkelheit, bis ich endlich Licht am Ende erkannte. Ich rannte drauf los doch es wurde immer enger. Panisch, ob ich es da durch schaffen würde, rannte ich dennoch hin und wollte mich durchzwängen, doch es war zu eng! Hinter mir hörte ich wie die Schritte immer näher kamen. Ich traute mich nicht mich umzudrehen und versuchte weiter durch die enge Lücke zu kommen. Gerade als ich den Atem des Fremden an meinem Nacken spüren konnte, schaffte ich es mich durchzuzwängen und landete keuchend auf dem Boden.
Mein Verfolger gab einen undefinierbar enttäuschten Laut von sich. Kurz sah ich Augen aufblitzen, dessen Farbe ich nicht mehr genau erkennen konnte und dann war es verschwunden. Verwirrt und ängstlich rappelte ich mich auf und starrte das Gebäude vor mir an. Auf der Aufschrift stand “UNDERTAKER”.

Keuchend schreckte ich aus dem Schlaf auf und brauchte erst ein mal ein paar Minuten, um festzustellen, dass ich noch bei den Phantomhives war und im Bett lag. Es war nur ein Traum.
Ich hielt mir die Stirn und spürte dass ich ganz verschwitzt war.
Was war das für ein seltsamer Traum? Es fühlte sich so echt an. Hatte er etwas zu bedeuten?
Ich starrte aus dem Fenster, wo der Mond hell schien. Es war fast Vollmond.




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